Das von „Ärzte ohne Grenzen“ betriebene Covid-19-Isolationszentrum auf der griechischen Insel Lesbos muss auf Grund von Raumplanungsvorschriften schließen. Die Organisation für medizinische Nothilfe ist empört.

Auf der Insel Lesbos liegt das Lager Moria, in dem momentan rund 15.000 Geflüchtete untergebracht sind. Am 6. Mai wurde in der Nähe des Lagers ein Covid-19-Isolationszentrum eröffnet, um eine mögliche Infektion im Lager sicherer bekämpfen zu können.

Seit dem 1. Juli werden dem Zentrum von den örtlichen Behörden Bußgelder auferlegt, da angebliche Stadtplanungsverordnungen nicht beachtet wurden. Nun muss das Isolationszentrum aufgegeben werden.

Laut Ärzte ohne Grenzen war dies die einzige Möglichkeit, um gegen eine drohende Covid-19-Infektion erfolgreich vorgehen zu können. Durch Unterstützung von Behörden, dem lokalen Krankenhaus und medizinischen Organisationen konnte das Zentrum im Mai eröffnet werden. Im Lager selbst befinden sich momentan rund 300 Menschen, die zur Hochrisikogruppe gehören.

Keine Seife, kein fließendes Wasser

In Moria selbst sind die hygienischen Zustände und die medizinische Versorgung mitunter katastrophal. Der Zugang zu Seife oder fließendem sauberen Wasser ist kaum vorhanden und Abstandsregeln oder Hygienemaßnahmen sind nur schwer einzuhalten.

Im Zuge der Pandemie sind nur vereinzelt schwerstkranke Kinder auf das griechische Festland gebracht worden. Bereits im November 2019 berichtete Ärzte ohne Grenzen, dass die Zustände in den Lagern auf Lesbos oder Samos die Kinder zu selbstverletzendem Verhalten treiben würden. Eine Vielzahl der Kinder und Jugendlichen würden Suizidgedanken äußern.

Asylsuchende erleben die Lager als Gefängnisse

Da die Europäische Union nicht im Stande war, die Gesundheitsversorgung auf Lesbos aufrecht zu erhalten, mussten medizinische Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen einspringen. Besonders Schutzbedürftige, die auf ihrer Flucht bereits traumatische Erlebnisse durchmachen mussten, sind den Strapazen der Lager ausgesetzt.

Mittlerweile ist der Lockdown für die griechische Bevölkerung aufgehoben. Geflüchtete hingegen, beispielsweise in Moria, sind weiterhin in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Angeblich um die öffentliche Gesundheit zu schützen, ist es eine Ausgangssperre, die sie in ihrer Gesundheitsversorgung und der Nutzung von Dienstleistungen massiv einschränkt.

Besonders Kinder können Bildungseinrichtungen nicht aufsuchen oder Ausflüge an den Strand oder die Stadt machen, was für sie zuvor eine Atempause vom Lageralltag darstellte. Laut Ärzte ohne Grenzen sind die psychischen Folgen verheerend. Die Verfassung vieler Menschen habe sich in den letzten Monaten rapide verschlechtert.


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