Seit einem Jahr ist die 22-jährige Aktivistin und Journalistin aus Hamburg, Dallala Nitro, nun verschwunden. Ihre Angehörigen, FreundInnen und GenossInnen befürchten, dass sie von der Türkei verschleppt wurde und in einem Geheimgefängnis gefoltert wird.

Dallala studiert eigentlich in Hamburg Jura. Sie ist ein aktives Mitglied in der „Volksbewegung Revolutionäre Suryoye“ und als Journalistin in ihr tätig gewesen. Seit dem 22. Juli 2019 fehlt jedes Lebenszeichen von ihr. An diesem Tag wollte sie ihre Heimat in Mardin in der Türkei besuchen, doch dort ist sie nie angekommen. Am Flughafen von Istanbul verliert sich ihre Spur. Seit diesem Tag sind ihre Accounts in den sozialen Medien gelöscht, ihre Kommunikationsgeräte abgeschaltet.

Nachdem der „Volksrat der Aramäer“ (Süryani Halk Meclisleri) einen mehrsprachigen Aufruf veröffentlichte, hat sich im vergangenen Jahr ein Zeuge gemeldet. Der Mann erklärte, dass er Dallala am 29. Juni 2019 am Flughafen von Istanbul in der Begleitung eines türkischen Polizisten und einer unbekannten Person gesehen habe. Die Ungewissheit über Dallalas Schicksal ist für ihre GenossInnen und ihre Familie schwer zu ertragen.

„Die Verfahren gegen uns linke Aramäer sind ein weiterer Dienst Deutschlands für die Türkei“

Sie befürchten, dass sie das gleiche Schicksal erleidet wie die linke türkische Journalistin Ayten Öztürk. Sie war am 9. März 2018 am Flughafen von Beirut festgenommen und an die Türkei ausgeliefert worden. Fast sechs Monate war sie verschwunden. In dieser Zeit wurde sie in einem Spezialgefängnis schwer gefoltert, unter anderem mit Elektroschocks und Scheinhinrichtungen. Zu der körperlichen Tortur kam die psychische Folter. Bei den Vernehmungen wurde ihr immer wieder erklärt, dass sich in der Öffentlichkeit niemand um sie kümmere, weil sie für tot gehalten werde. Erst nachdem Öztürks Verschwinden durch die „Volksfront (Halk Cephesi)“ bekannt gemacht wurde, erfolgte eine Überstellung in ein Gefängnis. Es wird befürchten, dass mit Dallala das Gleiche geschehen ist bzw. geschieht.

Mittlerweile haben revolutionäre Cyber-AktivistInnen aus der Türkei herausgefunden, dass Dallala aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur aramäischen Volksbewegung Revolutionäre Suryoye und ihre journalistischen Tätigkeiten für den „Volksrat der Aramäer“ am Flughafen von Istanbul vom türkischen Geheimdienst (MIT) festgenommen und an einen geheimen Ort gebracht wurde. Ihr weiterer Aufenthaltsort und gesundheitlicher Zustand sind weiterhin unbekannt.

Informationen über den Verbleib von Dallala sammelt der „Volksrat der Aramäer“ auf der Facebook-Seite „Free Dallala“


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