Die Weltwirtschaft steht mitten in der größten Krise ihrer Geschichte. Die Aktienmärkte haben eine Achterbahnfahrt hinter sich, es ist unklar, welches Unternehmen als nächstes pleite geht, und die Geldschwemme bringt die Gefahr einer hohen Inflation mit sich. Offenbar denken viele InvestorInnen, dass es noch schlimmer werden könnte und setzten auf Gold.

In der Nacht zum Montag war Gold so teuer wie noch nie. Zwischenzeitlich kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) 1.945 Dollar. Damit wurde der bisherige Rekord der letzten Weltwirtschaftskrise vom September 2011 um mehr als 20 Dollar übertroffen.

Dieser Höchstmarke ist ein rasanter Anstieg im letzten Jahr vorausgegangen. Lag eine Feinunze Gold im Juli 2019 noch bei etwa 1.280 Euro, beginnt sich der Goldpreis ab Beginn des weltweiten Kriseneinbruchs seit Dezember 2019 zu steigern. Mit der massiven Ausbreitung des Corona-Virus und der damit einhergehenden Verschärfung der Wirtschaftskrise seit März 2020 nahm der Goldpreis dann nochmal an Fahrt auf.

„Solch eine Dynamik haben wir noch selten erlebt, die Telefone bei unseren Händlern klingeln ununterbrochen“, sagte Hans-Günter Ritter vom Edelmetallhändler Heraeus gegenüber Spiegel Online.

Warum steigt Gold so stark?

In der Münchener Abendzeitung erklärt die Rohstoff-Expertin Gabriele Widmann: „Der Kauf von Gold als Krisenanlage ist die Absicherung gegen den ‚Weltuntergang‘, zumindest, wenn man mit ‚Welt‘ die Funktionsfähigkeit des Wirtschafts- und Finanzsystems meint.“

Tatsächlich birgt die aktuelle Entwicklung der kapitalistischen Krise verschiedene Gefahren, welche dazu führen, dass Gold gekauft wird. So sind schon seit mehreren Jahren die Zinsen niedrig und die Notenbanken fluten das Finanzsystem mit Geld. Dies hat in der Krise enorme Ausmaße angenommen. International stellten die Notenbanken Billionen zur Verfügung, um ihre Unternehmen zu stützen.

Auch wenn die Inflation derzeit niedrig ist, könnte weiterhin die Gefahr einer starken Geldentwertung bestehen. In einem solchen Fall kann Gold eine der Anlage mit weniger Preisverfall sein. Ebenso kann es im äußersten Fall einer Hyperinflation dazu kommen, dass wieder eine goldgedeckte Währung eingeführt wird.

Zudem verschärft sich derzeit der imperialistische Kampf zwischen den beiden Großmächten China und den USA, aber auch Europa weiter. Eine gemeinsame Krisenbewältigungspolitik – wie noch in der letzten Weltwirtschaftskrise 2007/2008 – ist derzeit nicht in Sicht. Auch ist das verschärfende Element der Corona-Pandemie nicht unter Kontrolle.

Und der Goldpreis könnte sich noch höher entwickeln. Schon im April 2020 erklärte die Bank of America, der Goldpreis könne auf 3.000 Dollar steigen.


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