Der Wirecard-Skandal hat die Debatte über die Rolle von WirtschaftsprüferInnen angefacht. Eine neue Studie von Transparency Deutschland zeigt: Bei Nachhaltigkeitsberichten erhalten Großunternehmen regelmäßig das Siegel der WirtschaftsprüferInnen, auch wenn diese tatsächlich nur äußerst wenige Unternehmensangaben geprüft haben.

Die Organisation Transparency Deutschland hat zum vierten Mal die nach den „GRI“-Standards erstellten Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen mit Blick auf die Themen Korruption und politische Einflussnahme untersucht.

„GRI“ ist die Abkürzung für Global Reporting Initiative. Die GRI ist eine internationale Organisation mit Sitz in Amsterdam. Ihre Standards sind die weltweit am weitesten verbreiteten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Das Ergebnis der Untersuchung von Transparency International: Insgesamt seien die Nachhaltigkeitsberichte zu unvollständig, uneinheitlich und nicht ausreichend transparent. Dadurch sei keine Vergleichbarkeit der Bemühungen der Unternehmen gegeben.

Bei der Berichterstattung zur Korruptionsbekämpfung gäben die Unternehmen im Durchschnitt weniger als 50 Prozent der von den GRI-Standards geforderten Informationen an – und die Auslassungen würden überwiegend nicht begründet.

Damit läge eine bemerkenswert hohe Zahl an Verstößen gegen den GRI-Berichtsrahmen vor. Darüber hinaus erteilten einige Unternehmen nach wie vor keine Auskünfte zu Lobbying und Parteispenden.

Dazu Manfred zur Nieden, Projektleiter und Autor der Studie: „Dass die Unternehmen gerade über Korruptionsbekämpfung so wenig berichten, belegt leider wieder einmal, dass Freiwilligkeit auch über viele Jahre nicht zum Ziel führt.“

Fragwürdige Rolle der WirtschaftsprüferInnen

Die meisten der 19 untersuchten Berichte wurden durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geprüft. Problematisch ist dabei, dass die Unternehmen die Auswahl der zu prüfenden Themen vorgeben. Berichte können daher den Bestätigungsvermerk eines/r WirtschaftsprüferIn erhalten, selbst wenn äußerst wenige Informationen tatsächlich geprüft wurden.

„Es scheint an einem kritischen Blick der externen Prüfer zu mangeln, denn: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben in allen Fällen die Übereinstimmung mit den GRI-Standards bestätigt. Dies steht in einem krassen Gegensatz zu unseren Ergebnissen mit vielen Verstößen gegen die korruptionsbezogenen GRI-Vorgaben“, so Helena Peltonen-Gassmann, stellvertretende Vorsitzende von Transparency Deutschland.


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