Nachdem die DB vor drei Wochen riesige Verluste in den letzten sechs Monaten meldete, sind nun schon die ersten Vorschläge zu Veränderungen auf dem Weg. Diese sollen den Konzern „effizienter“ werden lassen – zu Lasten der Arbeiter und Arbeiterinnen.

Im Zentrum dieser Veränderungen steht der Güterverkehr der Deutschen Bahn. Die „DB Cargo“ schreibt seit mehreren Jahren rote Zahlen. Das Gütervolumen hat sich seit 2010 fast halbiert. Wurden 2010 noch 415 Millionen Tonnen Güter transportiert, so waren es im vergangenen Jahr 2019 nur noch 232 Millionen Tonnen. Die Flaute seit dem Jahr 2010 wird mit der damaligen Wirtschaftskrise begründet. Schon damals kündigte der Konzern Entlassungen an.

Schienenfrachtverkehr monopolisiert

Seit den 2000ern gewann die DB Cargo im europäischen Wettbewerb. Mit mehreren Monopolaneignungen bei den Bahngesellschaften aus Italien, Schweiz, Polen, Niederlande und Dänemark – oder wenn dies nicht gelang, mit Monopolkooperation, wie z.B. mit der schwedischen Bahn. Mittlerweile existiert der Konzern mit Schwester- und Tochtergesellschaften in Belgien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Ungarn, Italien, Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Frankreich, Spanien und Großbritannien.

Von der Schiene auf die Straße und wieder zurück

In den frühen 2000er Jahren sorgte ebenfalls eine Konzern-Reform noch für mehr Übergang vom Schienennetz auf die Straße. Somit ist die DB Cargo mitverantwortlich für die große Transportauslastung auf den Autobahnen und Städten. Circa 20 Jahre später will die Bundesregierung nun ihre Klimaziele erreichen und den Verkehr von der Straße wieder zurück auf die Schiene verlegen. Nach eigenen Aussagen von DB Cargo fahren die Güterzüge nämlich bereits klimaneutral auf den Schienen.

Modernisierung und Outsourcen

Vorstandsvorsitzende von DB Cargo ist Sigrid Nikutta – die gleichzeitig Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist und deren Bruder, Jörg Nikutta, bei dem Schienenfahrzeughersteller Alstom Geschäftsführer ist.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass die DB Cargo trotz ihrer alten Waggons stets auf neue Innovationen aus ist. Derzeit will das Unternehmen die Kupplungen zwischen den Waggons vereinfachen und automatisieren. Das hat zur Folge, dass weniger Arbeitsaufwand und damit auch weniger Arbeitsplätze notwendig sind.

Nach den großen Verlusten will das Unternehmen nun häufiger auf billige Subunternehmen setzen. Trotzdem – so ein Sprecher der DB Cargo – sollen keine Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen werden. Wird es dennoch zu Entlassungen kommen, wird das vermutlich mit dem firmeninternen Lieblingswort „vermehrte Einzelfälle“ beschrieben werden.


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