In der Provinz Buenos Aires besetzen tausende Menschen eine brachliegende freie Landfläche. Sie kämpfen für ein menschenwürdiges Leben und organisieren ihre eigenen Viertel. Auch in der Stadt organisiert sich eine Bewegung von UnterstützerInnen. Die Behörden drohen mit einer Zwangsräumung und kooperieren mit faschistischen Schlägerbanden.

Die aktuelle Weltwirtschaftskrise und dazu die globale Pandemie sind auch in Argentinien stark zu spüren. Viele haben ihre Jobs verloren und können die Miete nicht mehr zahlen. In diesem Zusammenhang haben rund 2.500 Familien in der Ortschaft Guernica in der Provinz Buenos Aires südlich der Hauptstadt rund 100 Hektar Land besetzt.

Die erste Besetzung fand Mitte Juli statt, als mehrere hundert Personen eine ungenutzte Fläche von 15 Hektar besetzten. Die Behörden antworteten prompt und riegelten das Gebiet ab, um keine neuen BesetzerInnen und Baumaterialien durchzulassen.

Seitdem ist die Besetzung auf eine Größe von 2.500 Familien angewachsen, darunter mehr als 3.000 Kinder. Die Familien organisieren sich selbst in Komitees, die auch mit den Behörden in einen Dialog treten wollen. Von diesen kommen allerdings nur Drohungen und Räumungsversuche.

Die erste Räumung sollte bereit am vergangenen Samstag stattfinden, wurde jedoch mit juristischen Mitteln verschoben. Die örtlichen GroßgrundbesitzerInnen geben zwar an, dass es ihr Land sei und fordern deshalb die Zwangsräumung. Sie haben bis jetzt allerdings keinen Besitztitel für das entsprechende Landstück vorweisen können.

Die BesetzerInnen melden sich zu Wort

In einer öffentlichen Erklärung melden sich die Familien zu Wort. Sie beschreiben ihre Motive für die Besetzung und erklären ihre bittere und ausweglose Lage:

„Unsere Lage wird immer aussichtsloser. Das Geld reicht nicht mehr, um die Miete zu bezahlen. Auf den Grundstücken unserer Familien ist kein Platz mehr für weitere Unterkünfte. Uns wurden die Gehälter gekürzt, viele wurden entlassen, und die Gelegenheitsarbeiten werden immer weniger. Die Gesetze zum Verbot von Entlassungen und Delogierungen werden nicht eingehalten. Viele von uns leben bereits auf der Straße, insbesondere Frauen, die mit ihren Kindern vor häuslicher Gewalt flüchten.“

Ein großes Problem neben der drohenden Zwangsräumung und dem Druck der Behörden sind auch die marodierenden faschistischen Banden. Sie haben bereits auf einen Anwalt der Familien geschossen, der ihnen solidarischen Rechtsbeistand leistete. Bei den gewalttätigen Angriffen sind bereits mehrere BesetzerInnen verletzt worden.

Diese Schlägertrupps arbeiten laut einer Sprecherin der LandbesetzerInnen, Yamila Rodríguez, im Auftrag der GroßgrundbesitzerInnen. Die Behörden und die Polizei wissen davon, aber haben nicht vor, die Übergriffe zu verhindern.


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