In einer großen Polizei- und Geheimdienstoperation hat die britische Polizei neun „Saoradh“-Mitglieder in Nordirland festgenommen. Ihnen werden Verbindungen zur Gruppe „New IRA“ vorgeworfen.

Die neun Festgenommenen sollen führende Mitglieder der Organisation „Saoradh“ sein. Die Partei „Saoradh“ (übersetzt: Freiheit) kämpft nach eigener Aussage auf einer antifaschistischen und antikapitalistischen Grundlage gegen die britische Besatzung Nordirlands und für die Errichtung einer sozialistischen Republik in Irland.

Als solche erfährt sie von der britischen Polizei, dort „Crown-Forces“ genannt, seit Gründung heftige Repressionen. Für Mitglieder sind Polizeischikanen, wie zum Beispiel willkürliche Durchsuchungen, Alltag. Teilweise werden sie mehrmals täglich angehalten und kontrolliert.

Nun gab es in den Städten Belfast, Newry, Dungannon und Free Derry insgesamt neun Verhaftungen im Rahmen einer groß angelegten Polizei- und Geheimdienstoperation unter dem Namen „Arbacia“. Laut der britischen Nachrichtenagentur BBC soll es sich bei dieser Operation um einen Schlag gegen die Widerstandsgruppe „New IRA“ handeln, der eine Nähe zu Saoradh nachgesagt wird. Auch der britische Inlandsgeheimdienst „MI 5“ (Military Intelligence, Section 5) sei involviert.

Die neun festgenommenen Personen im Alter zwischen 26 und 50 Jahren werden derzeit von den Behörden in Nordirlands Hauptstadt Belfast verhört. Es erwarten sie Anklagen wegen Mitgliedschaft in der als Terrororganisation verbotenen „New IRA“, wegen Waffen- und Sprengstoffbesitzes und der Planung von Terroranschlägen. Die „New IRA“, die den bewaffneten Widerstand der „Irisch-Republikanischen Armee“ (IRA) in Irland fortführt, wird nach dem britischen Antiterrorgesetz als terroristische Organisation eingestuft.

An der Operation sollen mehr als 500 Beamte in Nordirland und Großbritannien beteiligt gewesen sein. Möglich wurde sie mutmaßlich nur durch die jahrelange Tätigkeit des britischen Agenten Dennis McFadden. Der aus Schottland stammende Mann soll im November 2019 in die nationale Leitung von Saoradh gewählt worden sein und sich gleichzeitig in der „New IRA“ engagiert haben. Vor den nun stattgefundenen Razzien soll er mit seiner Familie ins britische Zeugenschutzprogramm abgetaucht sein.

In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme zu den Festnahmen von Saoradh heißt es:

„Saoradh wird sich weiterhin in den Gebieten der ArbeiterInnenklasse verankern und unseren republikanischen Aktivismus vorantreiben. Saoradh ist stolz auf alle unseren inhaftierten GenossInnen. Wir senden unsere Solidarität zu ihnen und ihren Familien. Wir rufen alle RepublikanerInnen, SozialistInnen und MenschenrechtsaktivistInnen, welche für Meinungsfreiheit und freie politische Wahl eintreten, auf, sich unserem Aufruf nach sofortiger Freilassung unserer GenossInnen anzuschließen.“


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