Am gestrigen „Safe Abortion Day“ haben in 50 Städten in der BRD Aktionen stattgefunden. Unter dem Motto „Schwangerschaftsabbruch ist Grundversorgung. Egal wo. Egal wer. Egal warum.“ waren Tausende auf den Straßen. Sie forderten die Entkriminalisierung von Abtreibungen, die als einziger medizinischer Eingriff im Strafgesetzbuch geregelt werden.

In 50 Städten von Aachen bis Wuppertal haben insgesamt 120 Aktionen stattgefunden. Um den Protest für sichere, legale und kostenfreie Abbrüche auch während der Pandemie zu organisieren, waren die OrganisatorInnen kreativ: Neben Kundgebungen, Infoständen und Demonstrationen haben auch Erzählcafés, Performances und Quizabende stattgefunden.

Mit dem Motto machte das Bündnis gleich auf mehrere Debatten rund um Schwangerschaftsabbrüche aufmerksam: „Egal wo“ meint, dass weltweit das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung durch Kriminalisierung der Abbrüche eingeschränkt wird. Auch in Deutschland, wo dieser medizinische Eingriff unter bestimmten Gesichtspunkten straffrei bleibt, ist die Versorgung nicht allerorts gesichert. Für einen Abbruch sind sowohl Beratungszentren nötig, in denen verpflichtende Gespräche stattfinden, als auch ÄrztInnen, die ungewollt Schwangere behandeln. Insbesondere in ländlichen Regionen ist auch in Deutschland beides kaum vorhanden.

„Egal wer“ bezieht sich darauf, dass alle ungewollt Schwangeren ein Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung haben. Menschen, die Abtreibungen durchführen lassen, sind noch immer heftiger Stigmatisierung ausgesetzt. Gleichzeitig erleben Schwangere, die Rassismus oder Behindertenfeindlichkeit erfahren, häufig Bevormundung.

Zuletzt „Egal warum“. In Beratungsgesprächen, die in Deutschland per Gesetz nicht ergebnisoffen sind, sondern eine schwangere Person davon überzeugen sollen, die Schwangerschaft fortzusetzen, sind die Beweggründe für einen Abbruch zentral. Tausende, die sich am Protest beteiligten, machten aber klar: Jeder Grund für einen Schwangerschaftsabbruch ist ein legitimer Grund.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.