Seit Februar 2020 läuft gegen gegen die faschistische „Gruppe S.“ ein Terror-Verfahren. Sie sollen sich darauf vorbereitet haben, Moscheen anzugreifen und AntifaschistInnen zu ermorden. Ein mutmaßlicher Terrorhelfer war der Polizeimitarbeiter Thorsten W.. Neue Enthüllungen zeigen, wie offen neofaschistisch er sich während des Polizeidienstes zeigen konnte, ohne dass etwas geschah.

Ein Mitarbeiter der Polizei Hamm konnte sich über Jahre offen nach rechts radikalisieren, ohne dass auch nur ein Akteneintrag geschah. Das geht aus investigativen Recherchen des WDR hervor.

Dabei geht es um den mutmaßlichen Terror-Unterstützer Thorsten W.. Dieser soll die Terror-Struktur „Gruppe S“ – nach ihrem Anführer Werner S. benannt – unter anderem finanziell unterstützt haben.

Die mutmaßlich rechtsterroristische Vereinigung soll Anschläge auf PolitikerInnen und Moscheen geplant haben. Immer wieder gibt es Bezüge zu einer Struktur mit dem Namen „Freikorps Heimatschutz“. Die Landesregierung verweigert derzeit jegliche Auskunft zu dieser Struktur.

Nach Informationen von WDR und SZ soll Thorsten W. bei einem Treffen der Gruppe, bei dem die Beschaffung von Waffen geplant worden sei, eine Pistole bestellt haben.

In den Jahren 2013 und 2014 war er im Bereich „waffenrechtliche Erlaubnisse“ des Polizeipräsidiums tätig und an Prüfvorgängen dazu beteiligt, wer einen Waffenschein bekommt. Zuletzt arbeitete er im Verkehrskommissariat.

Offensichtlich rechtsradikal

Nach neusten Erkenntnissen gab es erdrückende Anhaltspunkte für seine faschistische Gesinnung:

Bei einer Durchsuchung seines Büros in der Polizeiwache Bockum/Hövel fanden die ErmittlerInnen die faschistische Zeitung „Unabhängige Nachrichten“, weiterhin eine Werbe-Tasse der rechten Zeitung „Junge Freiheit“ und einige ihrer Exemplare in der Dokumentenablage, außerdem einen Aktenblock und Katalog der Bekleidungsmarke „Thor-Steinar“. Zudem soll er auch Pullis dieser Neonazi-Marke offen getragen haben.

Zudem brachte er an seinem Auto einen Reichsadler an. Es gab hier auch Hinweise auf einen Flyer an seiner Windschutzscheibe, auf dem Bundeskanzlerin Angela Merkel verbrecherisches Handeln angelastet worden sei.

Obgleich es diese offensichtlichen Anhaltspunkte gab, wurde disziplinarisch nichts unternommen. Zwar soll es Vermerke geben, aber keinen offiziellen Eintrag in der Polizeiakte.

Ein nur etwas genauerer Blick hätte Weiteres zu Tage gebracht:

  • So soll er auf ein vertrauliches Lagebild der Polizei „Auswertungsschwerpunkt Reichsbürger“ zugegriffen und es sich an seine private E-Mail-Adresse geschickt haben.
  • Im Internet postete er unter Pseudonym Unmissverständliches: Nach SWR-Recherchen teilte er im März 2018 eine Zitattafel mit dem Bild einer Pistole und dem Text: „Lieber Polizist, das da ist deine Dienstwaffe! Die ist nicht nur zum Angucken da, die soll uns und dich beschützen und deshalb benutze sie auch endlich! Wenn du das nicht willst und kannst, gib sie uns, wir werden sie mit Sicherheit gegen jedes Gesindel einsetzen! Schönen Gruß, dein Volk und Dienstherr!“
  • Im Oktober 2019 teilte er folgendes Zitat: „Wir müssen von Zeit zu Zeit Terroranschläge verüben, bei denen unbeteiligte Menschen sterben. Dadurch lässt sich der gesamte Staat und die gesamte Bevölkerung lenken. Das primäre Ziel eines solchen Anschlags sind nicht die Toten, sondern die Überlebenden, denn die gilt es zu lenken und zu beeinflussen.“

Zudem gab es zwei weitere Mitarbeiter der Polizei Hamm, mit denen er sich in Chat-Gruppen mehrere tausend Nachrichten hin und her sandte. Darunter NS-Propaganda, SS-Verherrlichungen und rassistische Sprüche. Die Männer sollen sich in dem Chat mit „Heil“ gegrüßt und sich Hakenkreuz-Emojis geschickt, außerdem Witze darüber gemacht haben, Ausländer erschießen zu wollen.

Doch erst im Februar 2020 wurde Thorsten W. im Zuge der Razzien der Generalbundesanwaltschaft vom Dienst suspendiert.


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