Im Februar gab es mehrere Razzien gegen eine Gruppe mutmaßlicher Rechtsterroristen rund um den Faschisten Werner S.. Sie planten im Stil der historischen „Freikorps“ Mordanschläge auf Politiker:innen, Antifaschist:innen sowie auf Moscheen. Nun wurde in dem Zusammenhang ein ehemaliger Fallschirmspringer-Soldat in Polen festgenommen und bei ihm 1,2 Kilogramm TNT gefunden. Das ist etwa soviel wie auch der NSU besaß.

Wie die Zeit berichtet, kam es in der vergangene Woche zu Hausdurchsuchungen gegen den Faschisten Jürgen K. in seinem Haus und Arbeitsplatz in Polen. Dabei sei eine Antiterroreinheit auch auf Munition, eine Tränengasgranate, einen Zünder – und 1,2 Kilogramm des professionellen Sprengstoffs TNT gestoßen. Das ist in etwa so viel, wie die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ seinerzeit besaß. Damit kann ein ganzes Haus in die Luft gesprengt werden.

Der verdächtige Jürgen K. wurde in Brandenburg geboren, lebt aber nach eigenen Angaben seit mehr als zwölf Jahren in Polen. Seit Mitte 2019 beteiligte er sich an mehreren faschistischen Telegram-Gruppen: In der Gruppe fürs Anwerben neuer Mitglieder, im „Untergrund Deutscher Patrioten“ und in der Gruppe „Der harte Kern“. Mitglieder der letztgenannten Gruppe gelten als führende Köpfe bei der Planung von Anschlägen auf Politiker:innen, Antifaschist:innen wie auch Moscheen, sie ist auch unter dem Namen „Gruppe S.“ bekannt – benannt nach deren Anführer Werner S..

Jürgen K. soll auch an mindestens einem Planungstreffen im September 2019 im Umfeld der Gruppe S. teilgenommen haben, als Pläne für Anschläge in Deutschland und Frankreich diskutiert worden sein sollen. Bei einer entscheidenden Zusammenkunft der Gruppe S. Ende 2019 war Jürgen K. nicht mehr dabei, dort wurden die konkrete Anschlagspläne der Gruppe geschmiedet: In sechs Moscheen gleichzeitig sollte ein regelrechtes Massaker angerichtet werden.

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Bundeswehrausbildung

Bis Ende 2019 soll Jürgen K. in diesen Chatgruppen mitgelesen und geschrieben haben. Er galt laut Zeit „intern als einer, auf den man zählen kann“, insbesondere auch deshalb, weil K. mutmaßlich ausgebildeter Elite-Soldat war.

So soll er in Chatgruppen angegeben haben, mehrfach aus Flugzeugen und Hubschraubern gesprungen zu sein und „dies offensichtlich überlebt zu haben“. Den Ermittlungen zufolge hat K. ein Jahr lang als Obergefreiter gedient und dort vermutlich den Umgang mit Waffen erlernt. Heute ist sein Profilbild in sozialen Medien ein roter Skorpion auf blauem Grund, das Verbandszeichen des Fallschirmjägerbataillons 263.

Alle Fallschirmjäger müssen einmal in ihrer Ausbildung durch die Kaserne Altenstadt. Diese ist mehrfach im Zusammenhang mit Ermittlungen rund um das rechtsterroristische „Kreuz-Netzwerk“ aufgefallen. Auch Personen wie der ehemalige AfD-Spitzenpolitiker Andreas Kalbitz waren dort.


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