Landwirt:innen haben von Sonntag auf Montag mit Blockadeaktionen Druck auf die großen Supermarktketten aufgebaut. Ihrer Meinung nach zahlen die großen Handelsketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka zu wenig für den Milchpreis. Die Polizei begleitete die Aktionen, ließ die Blockaden jedoch gewähren.

In verschiedenen Teilen Deutschlands haben Landwirt:innen gegen zu niedrige Milchpreise protestiert. So fanden sich etwa gegen 22  Uhr am Sonntagabend rund 50 Traktoren vor dem Zentrallager des Aldi-Großlager am Nien Esch ein.

Ziel dieser Aktion war es, einem Verantwortlichen der Firma Aldi ein Positionspapier zu überreichen. Darin ging es um den Preis für Frischmilch, der vom Discounter Aldi wohl gesenkt werden soll. Die Milchpreise liegen bundesweit derzeit im Schnitt bei knapp über 30 Cent pro Liter, die Landwirt:innen fordern etwa 10 Cent pro Liter mehr für eine auskömmliche Milchproduktion.

Bis zur Übergabe des Positionspapiers blieb die Zuwegung zum Gelände durch fünf Traktoren blockiert. Die Polizei begleitete die Versammlung. „Der Verlauf der Protestaktion war friedlich und störungsfrei“, heißt es in einer Presseinformation der Polizei. Erst gegen 8 Uhr am Montagmorgen waren nach Angaben der Polizei die letzten Traktoren verschwunden.

Auch in anderen Teilen Deutschlands kam es zu ähnlichen Protesten, betroffen waren Lager der Handelsketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka:

    • So haben haben Landwirt:innen am Montagmorgen kurzzeitig die Zufahrt zum Zentrallager eines Discounters in Jarmen (Vorpommern-Greifswald) blockiert. Sie waren mit knapp zehn Traktoren und mehreren Autos gekommen, räumten die Blockade nach Aufforderung durch die Polizei nach kurzer Zeit aber wieder, wie ein Polizeisprecher sagte.
    • Im Kreis Esslingen wurde ebenfalls die Zufahrt zum Zentrallager einer großen Supermarktkette blockiert. Ungefähr 50 Traktoren versperrten die Zufahrt in Aichtal, wie die Polizei am Montag mitteilte.
    • In Meslung blockierten etwa 50 Traktoren die Zufahrt zu Edeka Hessenring.

Mitorganisiert wurde die Aktion von der Basisbewegung „Land schafft Verbindung“ (LSV). In einer Pressemitteilung erklärte die Organisation, dass seit Beginn der Corona-Pandemie die Milcherzeugerpreise um bis zu 34% eingebrochen seien. Laut einer eigens durchgeführten Onlineumfrage gaben 56 % der Betriebe an, aktuell ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlen zu können. 8 % gaben an, den Betrieb innerhalb der nächsten 12 Monate auslaufen zu lassen. Lediglich 6 % gaben an, dass die Versorgung mit liquiden Mitteln ausreichend ist und Ersatzinvestitionen problemlos getätigt werden können.

LSV-Vertreter Dirk Andresen erklärte in einem Video: „die großen Gewinner der letzten Jahrzehnte waren die großen Lebensmittelkonzerne und der große Einzelhandel. Der größte Teil der Wertschöpfung wurde von ihnen abgeschöpft. Und für die Landwirtschaft bleib bei immer größeren Auflagen und Kosten nur ein kleiner Teil übrig.“


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