Eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erfahren eine gewaltvolle Erziehung durch ihre Eltern. Eine Umfrage durch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) belegt eine hohe Zustimmung zu körperlichen Strafen.

Am heutigen 20. November begehen die Vereinten Nationen den Weltkindertag als Internationalen Tag der Kinderrechte. Dafür wurden 2.500 Menschen durch UNICEF und das Uniklinikum Ulm befragt.

Rund die Hälfte der Befragten konnten der Aussage zustimmen, dass ein „Klaps auf den Hintern“ in der Kindeserziehung ein angebrachtes Mittel darstellt. Einer „kleinen Ohrfeige“ stimmten 23 Prozent zu. Die Gewaltanwendung in der Kindeserziehung sei demnach seit dem Jahr 2000 zwar stark gesunken, ein weiteres Absinken sei aber nicht mehr zu erwarten, so UNICEF.

Männer befürworten körperliche Strafen stärker als Frauen. Menschen über 60 Jahre ebenfalls: 65 Prozent sprechen sich für den „Klaps“ aus, wobei dieser Anteil bei Menschen unter 31 Jahren niedriger liegt (45 Prozent).

Gewalt ist nicht nur die erhobene Hand

Gewalt in der Erziehung ist aber nicht nur die Ausführung von körperlicher Züchtigung. Bereits psychischer Druck, Demütigungen, Beleidigungen sowie verbale Gewalt haben schädlichen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden eines Kindes.

Laut der Umfrage von UNICEF sind es vor allem leichte körperliche Strafen, die auf einem hohen Niveau liegen. Massives Eingreifen in die körperliche Unversehrtheit eines Kindes ist in Deutschland hingegen weitestgehend geächtet.

Gewalt führt zu Gewalt

Haben Eltern in ihrer eigenen Kindheit körperliche Strafen erfahren, so stimmen sie der Aussage „Ein Klaps auf den Hintern hat noch nie jemandem geschadet“, verstärkt zu. Laut UNICEF gibt es eine klare Verbindung von selbst erlebter Gewalt und spätere Züchtigung als Eltern.

Körperstrafen wurden in den Staaten Europas in den 1960er und 70er Jahren mehrheitlich als schädlich für die Entwicklung eines Kindes angesehen. Die Prügelstrafe wurde an Schulen in Finnland bereits 1914 abgeschafft, in der DDR im Jahre 1949 und in der BRD 1973. Aber erst seit dem 6. Juli 2000 haben Kinder in Deutschland ein juristisches Anrecht auf eine gewaltfreie Erziehung.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.