Gewaltsam ging die Polizei gegen die Gegendemonstration vor, um den Weg für die „Querdenker“ frei zu räumen. Die Teilnehmer:innen der Querdenken-Demonstration versammelten sich in der Innenstadt, wobei viele die Infektionsschutzmaßnahmen ignorierten. Erst nach mehreren Stunden wurde auch diese Querdenken-Veranstaltung wegen Missachtung der Schutzmaßnahmen aufgelöst.

In Frankfurt waren am heutigen Samstag verschiedene Demonstrationen und Kundgebungen angemeldet. Dabei erregte besonders die Demonstration großes Aufsehen, die von „Querdenken 69“ unter dem Motto „Kein Lockdown für Bembeltown“ organisiert wurde. Kurze Zeit nach deren Ankündigung wurden auch 3 Gegendemonstrationen mit den Titeln „Gegen Querdenken 69“, „Gegen den Auftritt von rechten Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern“ und „Solidarität statt Antisemitismus und Verschwörungsideologie“ angemeldet.

Auf der Seite der Gegenproteste bestand die Befürchtung, dass die Querdenken-Demonstration die Bedrohung durch das Corona-Virus herunterspielen und besonders für Rechtsradikale und Nazis eine Plattform zur Vernetzung bieten würde. Die Beteiligung von gewaltbereiten Rechtsradikalen hatte man zuletzt auf der ausgeuferten Querdenken-Demonstration in Leipzig sehen können.

45.000 Coronaleugner:innen in Leipzig

Schließlich konnte die Demonstration der „Quer-Denker“ mit mehreren hundert Teilnehmer:innen in der Frankfurter Innenstadt starten. Berichten zufolge wurden die Hygienemaßnahmen wie etwa das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes auf der Demonstration wieder von Vielen ignoriert. Auf Twitter beschreibt ein Passant, dass zu Beginn der Demonstration etwa die Hälfte der „Querdenker“ gar keine Maske trug (Tweet). Weil die Auflagen von den Demonstrationsteilnehmer:innen nicht eingehalten wurden, und auch, weil schon Gegendemonstrant:innen an verschiedenen Stellen die Demo-Route blockierten, verzögerte sich die Querdenken-Demonstration.

Polizei: Mit aller Härte gegen die Gegen-Demo

An der Mainzer Landstraße, die auf der Route der Querdenken-Demonstration liegt, hatte sich eine weitere Gegen-Demo gesammelt. Kurz darauf erreichten mehrere Polizeiwagen den Ort. Nachdem sich die Lage weiter anspannte, bestanden die Gegendemonstrant:innen auf ihrem Recht, sich dort versammeln zu dürfen. Dennoch setzte die Polizei schon wenig später einen Wasserwerfer gegen die spontane Versammlung ein, um damit den Weg für die Querdenken-Demo frei zu machen. Gewaltsam wurden die Gegendemonstrant:innen weg gedrängt, und mindestens ein Transparent wurde durch die Polizei entwendet. Auf Seite der Protestierenden kam es zu mehreren Verletzten.

https://twitter.com/stillbauer/status/1327597460043259904?

Nur wenige Minuten später wiederholte sich eine ähnliche Situation an der Ecke Niddastraße/Weserstraße. Auch hier drängte die Polizei die spontane Gegendemonstration ab und bahnte mittels Wasserwerfer und Gewalt den Weg für die Querdenken-Demo.

Derweil musste die Corona-Demo kurz verweilen, bis ihr die Polizei den Weg frei gemacht hatte. Provokativ wurden weiterhin die Hygienemaßnahmen missachtet, nicht einmal die Ordner:innen trugen Masken.

Mittlerweile hatten sich zahlreiche Menschen bei der Gegendemo auf der Route der Querdenker:innen versammelt und provisorische Barrikaden mit Containern etc. aufgebaut.

Da sich die Querdenken-Demonstration weiterhin nicht an die Auflagen hielt, wurde sie – endlich – aufgelöst, und die Teilnehmer:innen sollten sich zur Endkundgebung zum Rathenauplatz bewegen. Dort wurden weiterhin die Infektionsschutzmaßnahmen missachtet, weswegen die Polizei auch diese Veranstaltung auflöste. Hier kam der Wasserwerfer auch gegen die Querdenken-Anhänger:innen zum Einsatz.

 

 


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