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Samstag, Juli 20, 2024
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    Ungerechte Verträge sind Fluchtursachen!

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    Vor kurzem haben die Europäische Union und der Senegal einen neuen Fischfang-Vertrag aufgesetzt. Dabei handelt es sich um einen – nicht gerechten – Vertrag zu Ungunsten der Bevölkerung des Senegals, der deshalb einen weiteren Fluchtgrund darstellt. – Ein Kommentar von Sileymane Sow

    Der Fischfang ist ein Schlüsselsektor in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Sengals. Er nimmt den ersten Platz der Exporte des Landes ein, bietet viele Arbeitsplätze und trägt in hohem Maße zur Ernährung der Bevölkerung bei. Heute lassen sich jedoch große Einschränkungen in diesem Bereich beobachten: aufgrund der minderwertigen Ausbeutung der maritimen Ressourcen, der Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem Senegal und der daraus folgenden Konsequenzen. Dazu zählt auch die Flucht vieler Menschen in Richtung Europa.

    Vor einigen Wochen haben die Europäische Union und der Senegal ein Abkommen über den Fischfang unterzeichnet. Der Umfang dieses neuen Vertrags beträgt 15,25 Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre, also ungefähr drei Millionen pro Jahr. Dafür sollen 14.000 Tonnen Thunfisch nach Europa gehen. 38 französische und spanische Schiffe sollen außerdem im Senegal fischen dürfen. Die 15,25 Millionen sollen die Kompensation dafür darstellen.

    Dieses Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Regierung des Senegal wird jedoch von der senegalesischen Bevölkerung und noch mehr von den senegalesischen Fischer:innen als skandalös betrachtet und abgelehnt.

    Die senegalesische Küste ist mehr als 700 Kilometer lang und umfasst dabei einen unfassbaren Reichtum an Fisch. Die neuen Abkommen zwischen der EU und der Regierung gefährden dabei sogar viele seltene, im Meer beheimatete Spezies. Sie führen zum Verlust vieler Arbeitsplätze und damit sogar in einigen Fällen zur Flucht. So gibt es seit einigen Wochen eine gesteigerte Präsenz senegalesischer Schlepperboote vor den Küsten Spaniens (Kanarische Inseln) und Marokkos.

    140 Geflüchtete sterben vor der senegalesischen Küste

    Dieser Missstand ist auf die ungerechten Abkommen zwischen der Europäischen Union und der senegalesischen Regierung zurückzuführen: Eigentlich war es das tägliche Brot der senegalesischen Fischer:innen, im Meer nach Nahrung zu fischen. Doch nun, wo die Meere aufgrund der Präsenz europäischer Fischfangschiffe leer sind, suchen viele Menschen eine Alternative. Diese besteht für sie mancherorts im Transport von Geflüchteten nach Spanien oder in der eigenen Flucht dorthin.

    Wenn europäische Politiker:innen heute von einer Verhinderung illegaler Einwanderung reden, so ist das verlogen und nur die halbe Wahrheit: Wollten sie die Einwanderung wirklich verringern, müssten sie ihre unfairen Verträge mit afrikanischen Staaten stoppen!

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