Nachdem Real im letzten Jahr tiefrote Zahlen geschrieben hatte, wird der Konzern nun unter den marktbeherrschenden Handelsketten aufgeteilt. Edeka und die Schwarz-Gruppe, zu denen Kaufland und Lidl gehören, übernehmen den Großteil. Wie es für die Mitarbeiter:innen ausgeht, ist noch ungewiss.

Schon lange hatte sich abgezeichnet, dass es bei Real so nicht weitergehen kann. Im Juni diesen Jahres wurde die Warenhauskette von dem russischen Finanzinvestor SCP aufgekauft. Die Mitarbeiter:innen wurden damals zwar mit ihren aktuellen Verträgen übernommen, der neue Eigentümer machte aber klar, dass die Kette weiter verscherbelt werden sollte.

Nun hat auch das Kartellamt dem weiteren Verkauf der Real-Filialen zugestimmt. 24 der Filialen gehen an Globus. 92 weitere werden an Kaufland verkauft. Der Mutterkonzern von Kaufland, die Schwarz-Gruppe, wächst somit in schwindelerregende Höhe. Die Schwarz-Gruppe ist mit einem Umsatz von über 100 Milliarden Euro im Jahr der größte Handelskonzern Europas.

Auch die Einzelhandelskette Edeka möchte ein Stück vom Kuchen abbekommen. Sie plant, etwa 72 Warenhäuser von Real zu übernehmen. Hier wird die Entscheidung wohl erst im Jahr 2021 fallen.

Ungewissheit bei den Mitarbeiter:innen

Wie es für die etwa 34.000 Real-Beschäftigten weiter gehen wird, ist ungewiss. Bereits im März diesen Jahres wurden Schließungen von 7 Filialen angekündigt. Kurz nach der Übernahme durch den Finanzinvestor wurden weitere 8 Schließungen ins Auge gefasst, die etwa 700 Beschäftigte ihre Stellen kosten werden.

Eine Filiale in Bochum-Wattenscheid wird durch Kaufland übernommen. Ganz in der Nähe liegt bereits eine gut besuchte Kaufland-Filiale. Das wirft bei der Belegschaft einige Fragen auf:

„Hier arbeiten teilweise sehr viele Familienmitglieder, zahlreiche schon seit langer Zeit. Das heißt, ganze Familienexistenzen hängen von dem Unternehmen ab. Wir wollen nun schnell Klarheit, wie es weitergeht“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Sylvia Feldmann. „Doch nähere Informationen gab es auch nach der Entscheidung des Kartellamts bisher nicht. Und darauf warten die Beschäftigten sehnsüchtig.“


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