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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Neue Corona-Maßnahmen: „Knockdown“ für Jobs im Einzelhandel?

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    Bund und Länder beraten noch über die genaue Ausgestaltung des harten Lockdowns. Doch dramatische Aussichten für die Arbeitsplätze im Einzelhandel zeichnen sich bereits ab. Ein Handelsverband rechnet mit 250.000 bedrohten Stellen. Online-Händler wie Amazon dürften die Gewinner sein – obwohl Logistikzentren als „Corona-Hotspots“ gelten.

    Der Corona-Lockdown könnte Hunderttausende Arbeitsplätze im innerstädtischen Einzelhandel gefährden. Davor warnte der Handelsverband Deutschland (HDE) vor den Beratungen von Bund und Ländern über die neuen Verschärfungen am Sonntag. „Der Dezember ist unter normalen Umständen der wichtigste Monat im Jahr, in der Pandemie ist er ein Totalausfall“, äußerte sich HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gegenüber der „Bild am Sonntag“. Zwischen 150.000 und 250.000 Jobs im Einzelhandel seien „akut bedroht“. Insgesamt gibt es noch rund 560.000 Stellen in diesem Bereich.

    Der Handelsverband fordert deshalb die gleichen Entschädigungen für den Einzelhandel, wie sie auch für die Gastronomie beschlossen wurden. Restaurants und Kneipen sollen wegen der Zwangsschließungen im November und Dezember 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes aus diesen Monaten erhalten. Doch die Auszahlung der staatlichen Hilfen verzögert sich, weil ein Software-Tool für die Auftragsbearbeitung noch nicht fertig sei. Bislang erhalten betroffene Betriebe deshalb nur Abschlagszahlungen vom Staat (Link: https://www.n-tv.de/politik/Kommen-Novemberhilfen-erst-im-Januar-article22216270.html). Zudem hat der Bundeswirtschaftsminister einer Ausweitung der „Novemberhilfe“ auf den Einzelhandel bereits eine Absage erteilt.

    Während vor allem viele kleine Einzelhändler:innen angesichts dieser Situation vor dem finanziellen Ruin stehen dürften, verzeichnen Online-Handelskonzerne wie Amazon ein Rekord-Geschäftsjahr. Laut New York Times hat der Versandriese aus Seattle in diesem Jahr weltweit über 427.000 Beschäftigte eingestellt und kommandiert damit inzwischen 1,2 Millionen Arbeiter:innen. Allein in Deutschland hat der Bereich Onlinehandel seinen Umsatz im Oktober und November um 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert.

    In Hinblick auf die Corona-Pandemie wirft diese Entwicklung jedoch Fragen auf: Denn nicht nur die Logistikzentren von Amazon gelten inzwischen als „Corona-Hotspots“. Laut Gewerkschaft Verdi hatte das Unternehmen einen Ausbruch unter ca. 300 Mitarbeiter:innen am Standort Graben zunächst verheimlicht. Der Paketdienst DPD musste schon im Mai ein Zentrum schließen, weil sich dort eine größere Zahl an Arbeiter:innen mit Corona infiziert hatte. Bei DHL wiederum hatten sich im Oktober am Standort Köngen zahlreiche Arbeiter:innen angesteckt.

    Logik der Corona-Beschlüsse: malochen, shoppen, beten

     

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