Die Politik der Bundesregierung, vor allem durch Einschränkungen von Kontakten im privaten Bereich eine Abschwächung der Infektionsdynamik zu erreichen, stützt sich unter anderem darauf, dass wenige Infektionen als Berufskrankheiten bzw. Arbeitsunfälle anerkannt werden.

Der DGB schrieb hierzu am 18.12.2020: „Es liegt auf der Hand, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Uns erreichten mehrere Berichte, dass Arbeitgeber und Dienstherren Unfall- und Berufskrankheits-Anzeigen blockieren wollen und Beschäftigte abwimmeln. Viele Unfallversicherungsträger informieren entweder gar nicht oder nur sehr unzureichend auf ihrer Homepage.“

Infektionsherde in der Fleischverarbeitung bei Tönnies, aber auch in Logistikzentren von Amazon oder Zalando sorgten im letzten Jahr zwar immer wieder für Schlagzeilen, eine systematische Auseinandersetzung mit dem Problem gibt es aber nicht.

Auch bei BASF sind immerhin 1,5% der weltweit Beschäftigten infiziert. Auch bei ThyssenKrupp Steel schoss die Zahl der Infizierten innerhalb einer Woche im Oktober in die Höhe. Vieles spricht dafür, dass der größte Teil von Infektionsgeschehen im Betrieb aber unerkannt bleibt.

Erstens, weil die Kontaktverfolgung weitgehend zusammengebrochen ist und bereits seit Monaten das Infektionsgeschehen fast überall als „diffus“ gilt. Das heißt: nur noch die wenigsten Infektionen können klar auf einen Infektionsweg zurückgeführt werden.

Zweitens, weil viele Beschäftigte nichts von ihrem Recht, Corona als Berufserkrankung oder Arbeitsunfall zu melden, wissen. Nach Angaben der Bundesregierung lag die Anzeigenquote bei 2,3 % für Berufskrankheiten und 1,1 % für Arbeitsunfälle. Auch von diesen Anzeigen wurde jedoch jeweils etwa jede dritte nicht anerkannt.

Für die Anerkennung als Berufskrankheit kommen dabei außerdem bisher nur Berufsgruppen im medizinischen und sozialen Bereich infrage, die beruflich im engen Kontakt mit Menschen stehen müssen.

 


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