In Frankreich organisieren Studierende Großdemonstrationen – trotz Versammlungsverbots und hoher Bußgelder. Es geht ihnen längst nicht mehr nur um die belastende Situation durch das Distanzstudium: In einer Erklärung ist von der Verelendung der Studierenden die Rede, während große Unternehmen durchgefüttert würden.

Im Januar haben schon zwei große Proteste stattgefunden, ein weiterer ist für den vierten Februar geplant. Student:innen rufen auch Beschäftigte der Universitäten auf, sich zu beteiligen. Die Demonstration zog zuletzt zum Ministerium für Hochschulbildung und Forschung, denn an die dortige Ministerin Vidal waren ihre Forderungen gerichtet.

Die physische, psychische und finanzielle Belastung für Studierende sei untragbar geworden. Wie auch in Deutschland sind vielen Studierenden die prekären, kleinen Jobs weggebrochen, mit denen sie ihr Leben finanzieren. In einem Aufruf heißt es: „Die Regierung hat den großen Unternehmen 470 Milliarden Euro gegeben – den Universitäten nichts. Nichts, um die Verarmung der Studenten zu bekämpfen. Es ist dringend geboten, massiv in Hochschulausbildung und Forschung zu investieren, um damit endlich einige tausend Lehrplätze zu finanzieren und so die Fortsetzung des Studiums zu garantieren.“.

Die Demonstrant:innen gehen ein Risiko ein, wenn sie sich an den Protesten beteiligen. Denn durch den verhängten Ausnahmezustand verstoßen sie gegen das auferlegte Versammlungsverbot, ihnen droht ein Bußgeld von 3.000 Euro. Vielen ist es das offenbar wert, es beteiligten sich mehrere Hundert an den Demonstrationen in verschiedenen Städten.

Wie drastisch die Situation für die Student:innen ist, zeigt eine Protestform ganz besonders: Vor dem Panthéon in Paris knieen und setzen sich Demonstrierende hin. Sie halten inne – eine Schweigeminute für die vielen Kommiliton:innen, die sich in den vergangenen Monaten das Leben genommen haben. Studierende berufen sich immer wieder auf eine Umfrage, derzufolge eine:r von vier Studierenden angab, Suizidgedanken zu haben.

Für den vierten Februar rufen die zahlreichen Lehrenden- und Studierendengewerkschaften erneut zu großen Protesten auf. Eine Studierendengewerkschaft, die »Union nationale des étudiants de France«, bezifferte die Höhe der dringend nötigen Investitionen mit 1,5 Milliarden Euro.


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