Nach monatelangem Freizeitlockdown bekommt Deutschland langsam die Infektionszahlen in den Griff. Trotzdem bleibt die Ansteckung am Arbeitsplatz ein großes Problem. Seit letzter Woche sind in einer Eisfabrik fast 200 Angestellte positiv auf Covid getestet worden. Mehr als 300 Testergebnisse stehen noch aus. Dieser Infektionsherd steht sinnbildlich für das Scheitern der deutschen Coronapolitk. – Ein Kommentar von Enver Liria.

Der nicht enden wollende Lockdown verlangt den Menschen einiges ab. Seit Monaten befindet sich Deutschland im Freizeitlockdown: Private Kontakte sind weitgehend untersagt, Freizeitaktivitäten finden vor allem online statt. Restaurants, Kneipen und die Veranstaltungsbranche müssen um ihre Existenz bangen.

Aktuell ist es allerdings für die meisten Unternehmen, die nicht etwa zum Gastgewerbe gehören, möglich, weitgehend den normalen Betrieb weiterzuführen. Dafür sollen sie mit speziellen Hygienekonzepten für die Sicherheit der Arbeiter:innen am Arbeitsplatz sorgen. Trotz dieser Vorgaben erleben wir aber immer wieder, wie die Betriebe zu Infektionsherden werden.

So geschah das auch kürzlich in der Eisfabrik „Froneri“ in Osnabrück. Dort wurden Ende letzter Woche rund ein Dutzend Ansteckungen registriert. Daraufhin wurden 500 Mitarbeiter:innen getestet. Mittlerweile stieg die Anzahl der positiv Getesteten auf 196. Das ergibt für den Betrieb mit 850 Mitarbeiter:innen eine Corona-Inzidenz von knapp 23.000. Es stehen noch 300 Ergebnisse aus, die den Inzidenz-Wert noch gehörig in den Himmel schießen lassen könnten.

„Einen Ausbruch dieses Ausmaßes in einem Unternehmen oder einer Einrichtung hat es in der Region bislang nicht gegeben“, schrieb die Neue Osnabrücker Zeitung. Sie spricht von einem „Tiefschlag im Corona-Kampf“ und das ist noch wohlwollend gesagt. Schon jetzt ist klar, dass sich auch einige in der Fabrik mit der britischen Mutation angesteckt haben. Diese Mutation ist besonders ansteckend, weshalb man davon ausgehen muss, dass es in der Region um die Eisfabrik und den Wohnorten der Arbeiter:innen zu weiteren Ansteckungen gekommen ist und kommen wird.

Dieser Fall in Osnabrück steht sinnbildlich für die Kopflosigkeit der aktuellen Corona-Politik. Die Betriebe werden offen gelassen, bis es zu spät ist, während die Freiheitsrechte der Bevölkerung im Handumdrehen geopfert werden. Alleine die Impfungen scheinen uns einen Ausweg aufzuzeigen. Ohne diese würden wir noch die nächsten Jahre von einem Lockdown in den nächsten stolpern, dürstend nach menschlicher Nähe und einer erholsamen Freizeitgestaltung. Die Hauptsache ist, dass die Betriebe weiter offen bleiben und Gewinne erwirtschaften, von denen wir ohnehin kaum ein paar Krümel abbekommen. Denn das ist die einzige Maxime der Corona-Politik: Der Profit.


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