Das Jahr 2020 hat bei den Aktionär:innen des deutschen Autounternehmens „Daimler“ die Kassen klingeln lassen. Trotz Wirtschaftskrise und Pandemie verbuchte der Konzern einen Gewinn von rund 3,6 Milliarden Euro. Das waren 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gründe dafür gibt es mehrere – unter anderem die staatliche Übernahme der Löhne mit Kurzarbeitergeld in Höhe von 700 Millionen Euro.

Die „Daimler Aktiengesellschaft“ zählt zu einem der mächtigsten Konzerne Deutschlands. Dieser hat im vergangenen Corona-Jahr seinen Gewinn gegenüber 2019 sogar noch steigern können. Ohne den sogenannten Abzug von Minderheitenanteilen lag das Konzern-Ergebnis bei 4,0 Milliarden Euro – ein Plus von 48 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Dividende soll von 90 Cent im Vorjahr auf 1,35 Euro steigen. Auf die Aktionäre entfallen 3,6 damit Milliarden Euro.

Dabei lief das vergangene Jahr im Vertrieb nicht gut: Weltweit verkaufte Daimler 2020 nur rund 2,84 Millionen Fahrzeuge – 15 Prozent weniger als 2019. Der Umsatz sank damit im Vergleich um 11 Prozent auf 154,3 Milliarden Euro. Wie kann es dann also zu einer Gewinnsteigerung kommen?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • 2019 musste Daimler milliardenschwere Kosten unter anderem für seinen Betrug in der Dieselaffäre und wegen Produktionsproblemen schultern.
  • Konzernchef Ola Källenius und sein Finanzchef Harald Wilhelm haben im letzten Jahr die Kosten im Tagesgeschäft massiv gedrückt und die Ausgaben gekürzt – vor allem durch Streichung von Sonderzulagen für Beschäftigte sowie den Abbau von mindestens 10.000 Arbeitsplätzen.
  • Ermöglicht wurde dieser Sparkurs auch durch die Gewerkschaften. Diese hatten im Sommer unter anderem der Senkung der Arbeitszeit zugestimmt – und damit das Unternehmen entlastet.
  • Daimler ignorierte offensiv den Klimawandel und setzte weiter auf den profitablen Verbrennungsmotor: „Es macht keinen Sinn, frühzeitig das Verbrenner-Geschäft abzuschneiden, mit dem man gut Geld verdient“, erklärte Källenius dazu ganz offen.
  • Trotz einem Weltwirtschaftseinbruch in der ersten Jahreshälfte kam es in China im zweiten Halbjahr zu einer starken Erholung, weil Daimler dort besonders viele Autos verkaufte.
  • Zudem sind ganze 700 Millionen Euro aus der Arbeitslosenversicherung in Form von Kurzarbeitergeld an Daimler geflossen. Damit wurden die Löhne von Arbeiter:innen, die laut Daimler nichts zu arbeiten hatten, bezahlt. Wie sich jetzt bei 4 Milliarden Euro Gewinn zeigt, hätte das Unternehmen diese Löhne durchaus selbst schultern können – und sogar ohne Probleme auf 100% des Lohns aufstocken können. Zudem hat der Konzern im vergangenen Jahr auch weniger Steuern bezahlt.
  • Zuletzt hat sich die Politik in ihrer kapitalistischen Pandemie-Bekämpfung offensiv schützend vor große Unternehmen gestellt. Während das private Leben extrem eingeschränkt wurde, konnte die Produktion nahezu ungestört weiterlaufen.

Am Donnerstag erklärte Unternehmenslenker Källenius, den Kurs weiter fortsetzen zu wollen und noch profitabler zu werden. 2021 sollen Absatz, Umsatz und Gewinn gleichermaßen deutlich zulegen.


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