Die Buchhandelskette „Thalia“ ist zur unbestrittenen Marktführerin in Deutschland aufgestiegen. Vom sich weiter vergrößernden Reichtum der Aktionärsfamilien haben die Beschäftigten aber nichts, stattdessen werden sie mit aller Härte angegriffen.

2019 hatte Thalia die in NRW und Rheinland-Pfalz aktive Kette „Mayersche“ aufgekauft und und danach im vergangenen November die „Osiandersche Buchhandlung GmbH“, die hauptsächlich in Süddeutschland Filialen betrieb.

Thalia ist nun mit knapp 7.000 Beschäftigten und über 400 Filialen praktisch in einer marktbestimmenden Monopolstimmung in der Buchhandel-Branche. 2019 erwirtschaftete der Konzern 1,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nicht nur die Frage, ob den Kund:innen diese Monopolstellung langfristig zu Gute kommt, darf getrost bezweifelt werden. Thalia verbindet seine Expansion mit massiven Angriffen gegen die eigenen Beschäftigten. Wie die ver.di-PUBLIK berichtet, will das Unternehmen keine Tariflöhne mehr zahlen und kündigte Anfang des Jahres an, aus der Tarifbindung auszusteigen. Im gleichen Zuge verließ Thalia den „Börsenverein des Deutschen Buchhandels Nord e.V.“ und meldete sich als Mitglied ohne Tarifbindung neu im Handelsverband Deutschland an.

Ersetzt werden soll die Tarifvergütung nach dem Willen der Unternehmensleitung durch ein erfolgsabhängiges Vergütungssystem. Im Klartext heißt das: die Gehälter der Beschäftigten hängen von der Verkaufszahlen ab.

Dies stellt schon für sich genommen einen massiven Angriff dar. Auf die Spitze getrieben wird der Zynismus des Konzerns jedoch dadurch, dass erstens nach wie vor unklar ist, ob und wann die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen für den Einzelhandel überwunden sein kann, und dass zweitens der Marktanteil des Bucheinzelhandels ohnehin seit Jahren gegenüber dem Online-Buchhandel zurückgeht.

In Berlin wird versucht, diesen Übergang – auch gegen erkennbar bestehenden Widerstand der Beschäftigten – mit aller Macht durchzusetzen. So hat der Konzern die 13 in Berlin bestehenden Filialen rückwirkend zum 1. Januar aufgespalten und 12 davon in die neu gegründete „Thalia Nord“ übernommen. Für die 13. Filiale in Berlin-Spandau wurde eine eigene Gesellschaft gegründet – offenbar, um einen für das Unternehmen unbequemen Betriebsratsvorsitzenden ‚kalt‘ zu stellen.


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