In den frühen Morgenstunden eröffnete die türkische Armee einen erneuten Angriff auf die kurdische Region Gare in Südkurdistan/Nordirak. Dabei kam es zu Luftangriffen, Bombardements und Angriffen mit Invasionstruppen auf dem Boden.

Die „Volksverteidigungskräfte Kurdistans“ (HPG) berichten, dass in den Morgenstunden des heutigen 10. Februars, gegen 3.00 Uhr, die Türkei eine umfassende Operation gegen die Region Gare gestartet hat. Dabei sind die türkischen Truppen nicht aus der Türkei bzw. aus Nordkurdistan angerückt, sondern sollen aus dem Süden, also von irakischem Territorium aus eingeflogen worden sein. In der Region Gare, in den von der Guerilla geschützten Medya-Verteidigungsgebieten, kommt es seit der Nacht und dem Morgen zu schweren Gefechten.

Das türkische Verteidigungsministerium bestätigte die Militäroperation am heutigen Morgen in einer Erklärung. Die Operation hat den Namen „Adlerklaue 2“. Demnach soll sie um 2.55 Uhr in der vergangenen Nacht begonnen haben.

Das Ministerium begründete den Einsatz mit dem „Recht auf Selbstverteidigung“. Es habe angeblich Hinweise auf einen größeren Angriff der PKK aus dem Nordirak gegeben. Die Türkei hatte bereits im Juni vergangenen Jahres die verlustreichen Luft- und Bodenoffensiven „Adlerkralle“ und „Tigerkralle“ im Nordirak gestartet.

Die Kämpfe halten in verschiedenen Regionen weiter an

Zusätzlich zu den Luftangriffen mit Kampfjets und Kampfhubschraubern wurden auch Invasionstruppen beim Dorf Siyanê abgesetzt. Beobachter:innen sprechen erneut von hunderten türkischen Soldaten, die in der Bergregion abgeladen worden seien.

Es brachen dann heftige Gefechte zwischen den kurdischen Einheiten der HPG und den türkischen Einheiten aus. Die Kämpfe dauerten mehrere Stunden an, dabei attackierten die Kräfte der HPG nach eigenen Angaben auch direkt die eingesetzten Cobra-Kampfhubschrauber und Sikorsky-Transporthubschrauber. Diese sollen sich aufgrund der starken Gegenwehr zwischenzeitlich zurück gezogen haben.

Bereits seit Tagen anhaltende Luftangriffe

In ihrem Bericht spricht die HGP zusätzlich von seit Tagen anhaltenden Luftangriffen, welche die Offensive scheinbar vorbereiten sollten. Dabei sollen nicht nur angebliche Ziele der Guerilla bombardiert worden sein, sondern gezielt auch Dörfer, in denen sich ausschließlich kurdische Zivilist:innen befinden.

Absprachen zwischen Türkei und kurdischer Autonomieregierung

Beobachter:innen gehen davon aus, dass die Invasion ein Ergebnis des Besuchs vom türkischen Verteidigungsminister, Hulusi Akar, Mitte Januar in Hewlêr (Erbil) und Bagdad ist, und dass die kurdische Autonomieregierung die Operation mit eigenen Geheimdienstinformationen unterstützt.

Akar hat eine Woche später seine deutsche Amtskollegin Annegret Kramp-Karrenbauer in Berlin getroffen. Auch hier dürften die Invasionspläne vermutlich Thema gewesen sein.


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