Gestern war in ganz Europa der Housing Action Day – ein Aktionstag für bezahlbare Mieten, gegen Spekulation mit Mietobjekten und für das Menschenrecht auf Wohnen.

In diesem Jahr formulierte das Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn zum Housing Action Day vier Forderungen:

Wohnungen für alle!
Wohnungslose und Geflüchtete in Wohnungen oder Hotels unterbringen!
Leerstand beenden! Besetzungen legalisieren!
Mehr Plätze in Frauenhäusern!
Zwangsräumungen, Versorgungssperren und Kündigungen verhindern!

Mietschulden erlassen!
Wohnraum, Kleingewerbe, Kulturszene und soziale Zentren sichern!
Keine Subventionen für hohe Mieten und Finanzinvestor*innen!

Mieten senken – Gewinne umverteilen!
Höchstmieten festsetzen!
Krisengewinne abschöpfen – Sonderabgabe zur Bewältigung der Corona-Krise!

Bodenspekulation beenden – Wohnungskonzerne vergesellschaften!
Wohnraum und Boden dürfen keine Ware sein!

In rund 25 Städten in Deutschland wurden diese und weitere Forderungen auf die Straße getragen.

In Berlin kamen rund 2.000 Menschen zu einer Demonstration zusammen.
Diese Demonstration wurde von zahlreichen Kundgebungen ergänzt – etwa durch die Initiative „Linie 206 bleibt!“, die um das Hausprojekt der besetzten Linienstraße 206 kämpft.

Berlin blick auf ein Jahr voller Räumungen bekannter Hausprojekte zurück: Das „Syndikat“ – eine verwurzelte Kiez-Kneipe, das Hausprojekt „Liebig 34“, das vom Abriss bedrohte Haus in der Habersaathstraße und die Hausboot-Insel in der Rummelsburger Bucht verloren während der Pandemie ihre Räume. Auch die kollektiv betriebene Kneipe „Meuterei“ wurde kürzlich geräumt, und so kritisierten Berliner Aktivist:innen, dass Stadtbild und Gastronomie sich immer mehr dem Tourismus und größeren Ketten anbiedern müssten.

https://twitter.com/pm_cheung/status/1375916753180573700

In Frankfurt kamen einige Dutzend zum Protest zusammen. Sie forderten Enteignung von Immobilienkonzernen, Vergesellschaftung von Wohnraum und Sozialbau für bezahlbare Mieten. Der „Mietentscheid“ Frankfurt verlieh auf der Kundgebung einen Preis für die dreisteste Mieterhöhung. Dieser ging an die landeseigene Wohnungsgesellschaft NH.

In Leipzig fanden insgesamt vier Kundgebungen. Eine größere Aktion fand in Connewitz statt. Sie wurde ergänzt durch eine Kundgebung, organisiert von „Leipzig für alle“, „Musikerviertel“, „Vernetzung Süd“ und dem „Solidaritätsnetzwerk Leipzig“. Dort berichteten auch Betroffene von viel zu kleinen Wohnungen, Ängsten um die Existenz und Soforthilfen, die nicht ankommen.

Auch in Köln nahmen rund 150 Menschen an einer Kundgebung in der Innenstadt teil. Ein breites Bündnis forderte dort gemeinsam das „Recht auf Wohnen – für Menschen, nicht für Profite“. Auch hier kam eine Betroffene zu Wort: Als junge Mutter berichtete sie von ihrer Wohnsituation bei der DEWOG. Diese sei so verschimmelt, dass ihr Sohn aus gesundheitlichen Gründen eigentlich bei den Großeltern leben muss. Nun geht es ihr wie vielen, und auch sie ist von Verdrängung bedroht.

Das Bündnis „Marburg gegen Mietenwahnsinn“ organisierte eine Demonstration durch die Marburger Innenstadt.

https://twitter.com/CATmarburg/status/1375859660473954306

In Stuttgart versammelten sich rund 200 Personen am Erwin-Schoettle-Patz. Die Mitorganisator:innen „Solidarität und Klassenkampf“ berichten: „Insgesamt fünf Redner:innen und die Moderation beleuchteten die verschiedenen Facetten des Wohnraumkampfes. An vielen Stellen regt sich Widerstand, wie zum Beispiel in der Initiative Schoettle Areal. Hier schließen sich Nachbar:innen solidarisch zusammen, um gemeinsam dafür zu sorgen, dass die bald ungenutzten 15.000 qm des Schoettle Areals sinnvoll und günstig für das Viertel bereitgestellt werden. Rosevita und Adriana, die ehemaligen Hausbesetzerinnen der Wilhelm Raabe Straße 4, erzählten von der üblen Repression, die sie seitens des Staates und der Justiz ertragen mussten, während aber reiche Immobilienbesitzende geschützt werden, obwohl sie massenhaft Profite scheffeln und Wohnen unbezahlbar machen.“


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