Der Chef der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK, Markus Kreitmayr, wurde nun von Anwälten der Bundeswehr erstmalig vernommen. Der Grund ist, dass er Soldaten, die Munition und Waffen entwendet hatten, ermöglichte, sie anonym und ohne Konsequenzen zurückzugeben.

Beim Kommando Spezialkräfte (KSK) machte ein rechtes Netzwerk innerhalb dieser Eliteeinheit der Bundeswehr immer wieder Schlagzeilen. Auch, weil immer wieder Waffen „verschwanden“ und derweil bei nahestehenden (Ex-)Soldaten Waffenlager enttarnt wurden.

Der Chef des KSK Marcus Kreitmayr – bisher als „Hoffnungsträger“ des KSK ausgelobt – stellte für diese anonyme Rückgabe „Amnestieboxen“ auf, was erst durch die Anhörung eines angeklagten Soldaten bekannt wurde. In dessen Garten wurden zwei Kilogramm Sprengstoff, mehrere tausend Schuss Gewehr- und Pistolenmunition, sowie mehrere Waffen gefunden.

KSK-Elitesoldaten, die sich auf einen Bürgerkrieg vorbereiteten, konnten Munition straffrei zurückgeben

Die Amnestieboxen sollten Soldaten ermöglichen, inkognito und ohne Befürchtung von Konsequenzen Waffen zurückzugeben – so ist einem internen Protokoll zu entnehmen.

Kreitmayr rechtfertigt sich

Nun sollte sich Kreitmayr vor Wehrdisziplinaranwälten der Bundeswehr verantworten. Denn: Er war formal nicht befugt, über eine Amnestie zu entscheiden. dennoch verteidigte er sein Vorgehen: nach Informationen des SPIEGEL sei ihm die Gefahrenabwehr durch Sicherstellung von Waffen wichtiger gewesen als die disziplinarische Verfolgung von KSK-Soldaten.

Gleichzeitig korrigiert er dabei das Bild der Amnestieboxen: Im Laufe routinemäßiger Inventuren sei aufgefallen, dass Munition fehle. Bei „Nachdurchsuchungen“ seien geringe Mengen in Kompaniegebäuden wiedergefunden worden. Ab dem 1. April 2019 hätte es deswegen die Möglichkeit gegeben, dass Kompanien „Fundmunition“ sammeln und abgeben.

Zu dieser Entscheidung hatbe sich der KSK-Chef nach eigener Aussage von einem Truppenversorgungsstabsoffizier beraten lassen. Bei seiner Einschätzung, dass das anonyme Sammeln von Munition rechtmäßig sei, sei nur von „unsachgemäßer Lagerung in der Kaserne“ die Rede gewesen.

Keine Meldung ans Ministerium

Annegret Kramp-Karrenbauer, die Verteidigungsministerin, erfuhr erst knapp zwei Jahre nach Start der ‚Munition-Sammelaktion‘ davon. Neben der Frage, ob Kreitmayrs Entscheidung überhaupt rechtmäßig war, ist das ein weiterer zentraler Vorwurf. Er hatte keine Meldung gemacht, auch nicht, als das Ausmaß der gesammelten Munition bekannt wurde – was selbst ihn überrascht haben soll.


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