Die Berichte über Todesfälle in polizeilichem Gewahrsam reißen nicht ab. Erst am 6. März 2021 starb Qosay Sadam Khalaf in Delmenhorst nach einer gewaltsamen Festnahme durch die Polizei. Nun geht eine Dokumentations-Website der Initiative „Death in Custody“ zu Todesfällen in Gewahrsam online.

Gestern, am internationalen Tag gegen Polizeigewalt, hat die Kampagne „Death in Custody“ ihre Recherche zum Tod in Gewahrsam veröffentlicht.

Es handelt sich um die erste umfassende Dokumentation von Todesfällen in Gewahrsam und aufgrund tödlicher Polizeigewalt in der BRD. Sie basiert zentral auf den Recherchen der „Antirassistischen Initiative“, der Zeitschrift CILIP und der Arbeit der vielen Initiativen, die sich für die Aufklärung einzelner Todesfälle einsetzen. Seit 1990 sind uns 181 Fälle bekannt.

Rassistische Staatsgewalt hat viele Gesichter: Neben direkter Gewaltausübung wie Erschießen, zu Tode prügeln und Brechmittelfolter werden auch strukturelle Formen von Gewalt dokumentiert, darunter rund 90 Todesfälle in Haft und Abschiebehaft.

Offiziell würden diese häufig als „Suizid“ ausgegeben, doch bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass die Menschen durch die Haftbedingungen systematisch in den Tod getrieben worden seien, so die Initiative.

Die Recherche zeigt auch die enge Verschränkung von staatlichem Rassismus und dem Grenzregime. In 20 Fällen kamen Menschen auf der unmittelbaren Flucht vor der Polizei ums Leben, häufig um eine Polizeikontrolle zu vermeiden oder einem Abschiebeversuch zu entkommen. 44 Personen starben in Abschiebehaft, und in drei Fällen wurden Betroffene gar während der Abschiebung von der Polizei umgebracht.

Da die Datenlage sehr schlecht sei, geht die Initiative davon aus, dass es noch weitere Todesfälle in Gewahrsam gibt, die in der Dokumentation noch nicht enthalten sind. Die Recherche wird daher fortgesetzt und jährlich aktualisiert.


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