Es gibt erste Vorschläge für einen jährlichen Gedenktag an alle Menschen, die an Covid verstorben sind. Phrasen von „Einschnitte für alle“, „quer durch die Gesellschaft“ sollen uns glauben machen, dass alle im selben Boot säßen. Aber es sind nicht alle gleich verletzlich in der Pandemie: Eine Studie des „RKI“ zeigt, dass Menschen aus benachteiligten Regionen signifikant häufiger an einer Infektion verstorben sind.

Die Studie des Robert-Koch-Instituts setzt die Sterblichkeit im Fall einer Covid-Infektion mit der sozialen Herkunft in Beziehung. Die 401 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands wurden in niedrig, mittel und hoch sozial benachteiligt eingeteilt. Für die soziale Benachteiligung wurden mehrere Faktoren berücksichtigt, die Auskunft über den Schulbildungsgrad, die Beschäftigung und das Einkommensniveau geben.

Das Ergebnis ist sehr eindeutig: Den Meldungen der Gesundheitsämter zufolge sind im Dezember und Januar mehr als 42.000 Personen, bei denen COVID-19 festgestellt wurde, verstorben. „Der Anstieg der COVID-19-Todesfälle fiel in sozial benachteiligten Regionen Deutschlands am stärksten aus – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Im Dezember und Januar lag die COVID-19-Sterblichkeit in sozial stark benachteiligten Regionen um rund 50 bis 70 Prozent höher als in Regionen mit geringer sozialer Benachteiligung.“

Besser gestellte zu Beginn der Wellen häufiger infiziert

Eine andere Studie des RKI ermittelt das Infektionsrisiko in Bezug auf die sozioökonomische Situation. Anhand der zweiten Welle bestätige sich ein Muster, das bereits in der ersten Welle erkennbar war: Zu Beginn der Welle waren vor allem sozial und finanziell besser Gestellte infiziert. Auf dem Höhepunkt der Welle schlug diese Entwicklung um, sodass vor allem ärmere Menschen ein hohes Infektionsrisiko hatten.

Daraus ziehen die Forscher:innen des RKI eine mögliche Schlussfolgerung: “ Diese Befunde weisen darauf hin, dass sozioökonomisch besser gestellte Bevölkerungsgruppen für die anfängliche Dynamik einer SARS-CoV-2-Welle eine bedeutende Rolle spielen, möglicherweise aufgrund einer höheren Mobilität durch überregionale Geschäftsbeziehungen und Urlaubsreisen […].

 


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