Die Stiftung des Weltwirtschaftsforums (WEF) widmete eine jüngste Analyse der Frage, wie es um geschlechtliche Gleichstellung auf der Welt bestellt ist. Der ernüchternde Trend: In der Pandemie wurden weltweit Errungenschaften von Frauenbewegungen zurückgenommen.

135,6 Jahre – das ist die plakative Anzahl an Jahren, die es laut Analysen des WEF noch bräuchte, bis alle Geschlechter gleichgestellt sind. Die Analyse spricht von Männern und Frauen und beleuchtet die Gleichstellung, nicht unbedingt die tatsächliche Gleichberechtigung.

2019 noch schätzte die Analyse 95 Jahre für diesen Prozess. Die Covid-Pandemie wirft jedoch viele Errungenschaften zurück. Besonders benachteiligt seien Frauen nach wie vor bei der wirtschaftlichen Selbstständigkeit und der politischen Teilhabe.

Große „Gender Pay Gap“

Die Bundesrepublik fällt dabei unter den berücksichtigten Kriterien immer weiter zurück: 2006 war sie im Ländervergleich auf Platz 5 von 156, in diesem Jahr auf Platz 11. Einer der untersuchten Aspekte deckt sich dabei mit der Klassikerin unter den Frauenparolen: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“.

Gerade in diesem untersuchen Punkt, der Lohnungleichheit, schneidet die BRD schlecht ab. Mit einer Lücke von 38,6 Prozent belegt sie Platz 97 von 156 Ländern.

Auf den vordersten Plätzen stehen insgesamt Island, Finnland, Norwegen, Neuseeland, Schweden, Namibia und Ruanda.

Gleich schlecht gestellt

Die Analyse betrachtet umfassend „Trends“, zum Beispiel in der Gesetzgebung, der Aufteilung von Sorge-Arbeit oder im Umfang von Frauenerwerbstätigkeit. Würde der Trend, so wie er sich gerade darstellt, fortgesetzt, könne man in 136 Jahren mit Gleichstellung rechnen – soweit die Theorie.

Dabei betrachtet die Analyse jedoch nur Unterschiede. Die absolute Situation aller Geschlechter bleibt weitestgehend unbeachtet: Wenn also zum Beispiel beide binären Geschlechter gleichermaßen auf dem Arbeitsmarkt ausgebeutet würden, wäre das – in Ironie des Ganzen – gleichstellungstechnisch in der Analyse ein gutes Ergebnis.

 


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