Am Dienstagnachmittag wurde das Urteil im Mordprozess gegen Derek Chauvin, dem Polizisten und Mörder von George Floyd, gefällt: Schuldig in allen drei Anklagepunkten. Chauvin drohen nun bis zu mehrere Jahrzehnte Haft, nachdem er im vergangenen Mai mehr als neun Minuten auf dem Genick des schwarzen George Floyd kniete und damit dessen Tod verursachte.

An die Black-Lives-Matter Proteste im Sommer 2020 wird sich sicher noch jede:r erinnern. Ihr Auslöser war, dass sich der Polizist Derek Chauvin bei einer Festnahme mehr als neun Minuten lang auf den Hals von George Floyd kniete. Selbst als dieser und umstehende Menschen Chauvin wiederholt zu verstehen gaben, dass Floyd keine Luft mehr bekommt, ließ Chauvin nicht nach. Floyd erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen. Angefacht durch diesen Vorfall entwickelte sich eine breite Protestbewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA, die auf viele andere Länder überschwappte.

Am vergangenen Dienstag haben nun die Geschworenen in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota ihr Urteil gefällt. Dabei kamen die 12 Geschworenen bereits unerwartet schnell – nach 10 Stunden Beratung – zu einem Entschluss: “Wir, die Jury, urteilen, dass der Beklagte sich des Mordes zweiten Grades ohne Vorsatz schuldig gemacht hat“, so verlas Richter Peter Cahill die Entscheidung. Zusätzlich wurde der ehemalige Polizist auch in den anderen zwei Anklagepunkten – Mord dritten Grades und Totschlag zweiten Grades – schuldig gesprochen. Wenn man das Urteil mit dem deutschen Recht vergleicht entspricht es ungefähr einem Urteil für Totschlag.

Noch steht allerdings nicht fest, wie lange der 45-Jährige ins Gefängnis muss, das wird erst in ein paar Wochen verkündet. Chauvin ist nicht vorbestraft und wird daher vermutlich nicht die maximale Strafe für alle drei Straftatbestände absitzen müssen. Außerdem steht ihm die Möglichkeit offen, in Berufung zu gehen.

Vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis hatten sich hunderte „Black Lives Matter“- Aktivist:innen versammelt. Für viele war bis zum letzten Moment nicht klar, wie das Gericht urteilen würde.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung befragten rund zwei Wochen lang Sachverständige. Etliche Zeug:innen bestätigten, dass George Floyd an Sauerstoffmangel, verursacht durch Chauvins Knie auf seinem Genick, starb. Im Gegensatz dazu behaupteten die Verteidiger, Floyd sei an einem vorherigen Herzleiden und Drogen verstorben.

Bei vielen Aktivist:innen sorgte darüber hinaus für Unsicherheit, dass seit 2015 in den USA rund 5.950 Menschen durch die Polizei erschossen wurden und es in kaum einem Fall danach ein Urteil oder überhaupt ein Verfahren gab. Dementsprechend war en die Freude und Erleichterung über das ungwisse Urteil groß.

Trotzdem warnen viele Aktivist:innen davor, sich vom Urteil zu leicht mitreißen und befrieden zu lassen. Das Urteil sei zu begrüßen, allerdings seien auch in diesem Jahr schon wieder über 200 Menschen in den USA durch Polizeischüsse getötet worden. Auch entschuldige die Verurteilung von Chauvin nicht die vielen unaufgeklärten Fälle und Morde.

Das Urteil für die drei weiteren beteiligten Polizisten steht noch aus. Ihr separates Verfahren beginnt ab dem 23. August. Ihnen wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.


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