Am Samstag verkündete die Nationale Raumfahrtbehörde Chinas (CNSA), dass der erste Marsrover des Landes auf dem roten Planeten gelandet sei. Damit ist die Konkurrenz der Weltmächte in eine neue Phase getreten. Es geht nicht mehr nur um Satelliten und die Erforschung des Mondes. Ein Kommentar von Pa Shan.

Die Landung des chinesischen Marsrovers „Zhurong“ auf dem roten Planeten ist eine Sensation. Denn damit leitet China die nächste Phase der Konkurrenz ein, in der es nicht mehr nur um den Satellitenorbit der Erde und den Mond geht, sondern um die Eroberung ganzer Planeten und die Aufteilung des Sonnensystems unter die Weltmächte. Damit hat der Imperialismus nicht mehr nur globale, sondern stellare Ausmaße angenommen.

Staaten und Konzerne im Weltall

Die erste amerikanische Raumsonde erreichte den Mars 1965. Seither startete die NASA über 24 weitere Marsmissionen, sodass sie heute die Erforschung des Planeten dominiert.

Im Februar landete dann der Mars-Helikopter der NASA auf dem Planeten. 25,2 Milliarden US-Dollar soll das Budget der NASA im Jahr 2021 betragen – eine Steigerung um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trump hatte im Vorjahr für eine massive Aufrüstung gesorgt. Insgesamt soll das Weltraum-Budget der USA aber 43 Milliarden US-Dollar betragen. Damit können die USA ihre Vormachtstellung im All auf absehbare Zeit absichern. Immerhin ist das US-Budget damit fünffach größer als das Budget der China National Space Administration (CNSA), das nur 8,9 Milliarden US-Dollar beträgt.

Chinas Marslandung in diesem Jahr ist zwar reichlich spät, dafür ist sie umso bedeutender. Denn nun haben die beiden Supermächte des 21. Jahrhunderts den Mars betreten und stehen nun unmittelbar im Wettstreit um seine Eroberung. Es fragt sich nur, wer wie viel vom roten Planeten für sich nutzen können wird. Abgesehen von China und den USA haben weitere Staaten ihre Fühler gen Mars ausgerichtet.

Im Februar dieses Jahres erreichte der erste Satellit eines arabischen Staates den Mars. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) planen sogar die Kolonisierung des Mars im Jahr 2117. Bisher investierte die Regierung über 5,5 Milliarden US-Dollar in die Raumfahrt.

Die staatliche Indian Space Research Organisation (ISRO) ist Indiens einzige relevante Raumfahrtunternehmung. Sie hat 1975 ihren ersten Satelliten ins All befördert. Seither hat sie hunderte weitere Satelliten ins All befördert, eine Mondlandung versucht und zumindest einen Satelitten zum Mars geschickt. 2020 veröffentlichte die Regierung einen Entwurf zur Regelung privater Raumfahrt. Damit will Indien sein Weltraumprogramm vorantreiben. Das Budget Indiens beträgt dabei 1,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021.

Abgesehen von staatlichen Institutionen haben etliche private Konzerne ihr Interesse an der Raumfahrt im Allgemeinen und an der Eroberung des Mars im Speziellen geäußert. Elon Musk, der Chef der privaten Raumfahrtfirma Space X, kündigte an, bereits 2022 ein erstes privates Raumschiff zum Mars schicken zu wollen. 2024 oder 2026 sollen dann bemannte Raumfahrten zum Nachbarplaneten der Erde folgen.

Boeing hat hingegen angekündigt, vor Space X auf dem Mars landen zu wollen.  Auch die Raumfahrtfirma des Amazon-Chefs Jeff Bezos will den Mars kolonisieren. Bezos will Millionen von Menschen ins All schicken.

Die treibenden Motive der Raumfahrt

Alle Weltmächte werden von ihrem eigenen Streben nach Profiten und Geopolitik getrieben. Im All lockt ein Markt, der in den 2040er Jahren bereits eine Wertmasse von einer Billion US-Dollar haben wird. Viele Privatkonzerne investieren bereits massiv in Weltraumtourismus, Rohstoffabbau auf dem Mond wie auch in den Abbau von Asteroidenmaterial.

Die Kontrolle des Weltalls kann auch den entscheidenden Vorteil im Kräftemessen der beiden Supermächte und der kleineren Weltmächte bringen. Die imperialistische Konkurrenz um das Sonnensystem ist natürlich undenkbar ohne das Militär.

Man kann Krieg ausschließlich im Weltraum haben, aber derjenige, der den Weltraum kontrolliert, kontrolliert auch, was auf dem Land, auf dem Wasser und in der Luft passiert“, erklärte kürzlich Jamie Shea, ein Ex-Offizier der NATO. Weiterhin erklärte er im Umkehrschluss: “Wenn man den Weltall nicht kontrolliert, kontrolliert man auch die anderen Domänen nicht.“

Entsprechend bemühen sich die USA, ihre militärische Übermacht auch im ganzen Sonnensystem zu behalten. Ende 2019 wurde bereits die United States Space Force (USSF) als sechste Teilstreitkraft des US-Militärs gegründet. In den nächsten paar Jahren soll sie bereits bis zu 15.000 Personen zählen.

Weiterhin rüstet sich die NATO für ein Kräftemessen im All. Die NATO kontrolliert etwa 2.000 Satelliten, die die Erde umkreisen, was 65 Prozent aller Erdsatelliten ausmacht.

In Ramstein – dem bedeutendsten Stützpunkt der US-Armee in Deutschland – soll zudem ein neues Raumfahrtzentrum der NATO entstehen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte dazu:

Dies wird unsere wichtigste Anlaufstelle, um NATO-Missionen mit Kommunikation und Satellitenbildern zu unterstützen […] Unser Ziel ist nicht die Militarisierung des Weltraums, sondern die Schärfung des Bewusstseins für die Herausforderungen im Weltraum innerhalb der NATO und den Ausbau unserer Fähigkeiten, diesen Herausforderungen zu begegnen.“

Natürlich darf man Stoltenberg keine Sekunde Glauben schenken. USA und NATO werden selbstverständlich ihren Militarismus auch ins Weltall ausweiten, um ihren imperialen Interessen Nachdruck zu verleihen.

Kapitalistische Raumfahrt oder Ende des Kapitalismus?

Ein friedliches Miteinander wird es im Weltall nicht geben, wenn weiterhin der Kapitalismus unseren Planeten beherrscht. Die Widersprüche dieser Produktionsweise werden nur ins All verlagert werden. Kriege im All um Raumbeherrschung, Ressourcenkontrolle und Profite werden schon in wenigen Jahren möglich sein. Kämpfe um die Ausbeutung des Mondes, des Asteroidengürtels und des roten Planeten werden bereits jetzt ökonomisch geführt. Militärisch werden sie schon bald geführt werden. Womöglich wird der dritte Weltkrieg auch im All ausgetragen werden.

Die Erkundung des Weltraums ist also keineswegs nur von Wissensdrang getrieben. Das Wissen über das All soll vor allem staatlichen und imperialistischen Interessen dienen. Dafür werden Abermilliarden von US-Dollars investiert. Denn zur Belohnung stehen Billionen von US-Dollars. Es ist absehbar, dass das Kapital deswegen über Millionen von Leichen gehen wird. Eine kapitalistische Raumfahrt kann nur in eine Dystopie führen.

An der Raumfahrt sieht man, wie wenig es den Kapitalist:innen um die Interessen der Bevölkerung geht. Die vielen Milliarden Dollars könnten in Gesundheits-, Sozial- und Bildungssysteme investiert werden. Stattdessen ignoriert man die Leiden auf dem Planeten und plant die Erweiterung der kapitalistischen Ausbeutung auf das ganze Sonnensystem. Umweltzerstörung würde auf diese Weise ganz neue Dimensionen erhalten.

Bevor der Kapitalismus die Erde unbewohnbar macht und den Auszug der Menschheit ins Sonnensystem erzwingt, sollte dem Kapitalismus ein Ende bereitet werden. Erst dann sollte die Menschheit hunderte Milliarden in die Raumfahrt investieren. Alles Andere ist zynisch und menschenfeindlich.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.