Die Wirtschaftskrise und damit einhergehende Arbeitslosigkeit befeuern die Drogenproduktion in Ecuador und Bolivien. Die steigende Produktion führt zu einem verstärkten Handel. Nutznießer dieser kritischen Lage sind die Drogenkartelle.

Die Wirtschaftskrise und die ansteigende Arbeitslosigkeit in den südamerikanischen Ländern lösen eine Wanderung der Arbeiter:innen aus. Viele von ihnen können sich aus der ausweglosen Situation nur retten, indem sie sich in den Dienst von Drogenkartellen stellen und dort in der Produktion helfen. Häufig sind es jüngere Menschen, die ihre Arbeit bei den Drogenkartellen verrichten müssen.

Das Bruttoinlandsprodukt in der Region sank um acht Prozent. Die Regierungen unternehmen derweil weniger Maßnahmen, um gegen den Drogenanbau vorzugehen. International gibt es derzeit eine Veränderung des Drogentransports und ihrer Routen.

Zu Beginn der Pandemie wurden die Koka-Pflanzungen in bekannten Anbaugebieten nicht mehr bekämpft. In Bolivien beispielsweise sorgte die Präsidentin Jeanine Áñez Chávez 2020 dafür, dass die Zerstörung der Pflanzen durch die Anti-Drogenpolizei ausgesetzt wurde. Nun beginnen die ersten Einsätze wieder, und es werden Rekordernten zerstört. So wurden in den letzten vier Monaten bis zu 7,41 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Denn in der letzten Zeit konnten die Kartelle so viel produzieren, wie sie wollten: In riesigen Fabriken in Waldreservaten gelang es ihnen, knapp 910 Kilogramm Crack pro Tag herzustellen. Auch der aktuelle Präsident Luis Arce vereinbarte eine Quote zum legalen Anbau der Koka-Pflanzen, die aber jetzt schon  bei Weitem überschritten werden.

Außerdem hat sich die Ausfuhr der Drogen verändert: Im Jahr 2020 wurde in Ecuador die Ausfuhr von 4,6 Tonnen Kokain verhindert. Das ist ein Anstieg von nahezu 600 Prozent im Gegensatz zum Vorjahr. Die Transport-Route beginnt häufig in Kolumbien über Ecuador mit den USA als Ziel. Allein in Ecuador befanden sich im April 2021 insgesamt 128 geheime Flughäfen. In Benzinkanistern können so innerhalb von sieben Stunden rund 600 Kilogramm Kokain „umgeschlagen“ werden.

Es sind jedoch die Arbeiter:innen, die die jahrelange Misere dieser Politik ausbaden müssen. Mit der weltweiten Wirtschaftskrise treibt die Politik Südamerikas ihre Bevölkerung weiter in die Arme der Drogenkartelle. Nur hier können sich die Arbeiter:innen ökonomisch über Wasser halten.

Dennoch liegt den Kartellen nichts daran, ihre Arbeiter:innen zu schützen. Im Gegenteil: die steigenden Todeszahlen etwa in Mexiko zeigen, dass die Allianzen immer brutaler vorgehen, um ihre Gebiete und Absatzmärkte zu verteidigen. Der Drogenhandel nimmt damit einen blutigen Platz in der Wirtschaft der Länder ein – und behauptet ihn auch noch: Durch Korruption und Gewalt werden professionelle Politiker:innen in Schach gehalten, während auf der anderen Seite Arbeiter:innen schuften und sterben.


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