In der Corona-Pandemie seien Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene oft nicht hinreichend beachtet worden. Die Ärzt:innen sehen „verheerende Langzeitfolgen“ auf sie zukommen. Dabei zeigt sich auch wieder, dass Kinder aus armen Familien viel heftiger von den Folgen der Pandemie und dem Lock-Down getroffen werden.

Anlässlich des 17. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags kritisierte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) den Umgang mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen scharf. Es gäbe nicht annähernd genug Angebote, um die Folgen der Krise für die junge Generation abzumildern: „Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt“, sagte BVKJ-Sprecher Jakob Maske der Rheinischen Post.

Ein Bereich, der auch schon vor der Krise an Fachkräftemangel litt, ist derjenige der psychischen Grundversorgung. Gerade durch die soziale Isolierung hätten sehr viele junge Menschen psychische Krankheiten entwickelt, die jetzt aber nicht angemessen behandelt werden können. So leide von den 11- bis 17-Jährigen jedes dritte Kind an psychischen Auffälligkeiten. Über 80% geben an, durch die Krise spürbar belastet zu sein.

„Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und ’nur‘ eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen“, so Jakob Maske.

Armut geht mit Benachteiligung einher

Besonders für die Kinder aus armen Familien bedeuten die Pandemie und der Lock-Down eine zusätzliche Belastung. Schon vor der Pandemie wuchs jedes fünfte Kind in Armut auf. Durch die Pandemie wurde ihre Benachteiligung noch einmal verstärkt. Bildungserfolge der Kinder – also, welchen Abschluss sie machen können und mit welchen Noten – hängen immer mehr vom Elternhaus ab. Besonders heftig trifft es die Kinder Alleinerziehender oder Kinder aus migrantischen Familien. Nach Schätzungen werden 100.000 Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen.

Laut dem Bericht des BVKJ würde sich aktuell die Lage der in Armut aufwachsenden Kinder noch weiter verfestigen: „Für Personen aus den unteren sozialen Lagen sind die Aufstiegschancen seit den 1980er-Jahren kontinuierlich gesunken. Im Fall der Zugehörigkeit zu der als „Armut“ bezeichneten Lage ist die Wahrscheinlichkeit, ihr auch in der nächsten Fünfjahresperiode noch anzugehören, seit Ende der 1980er-Jahre von 40% auf 70% angestiegen.“

Auch Studierende klagen über Probleme, die die Pandemie und die Online-Lehre mit sich bringen. Viele verloren ihre Nebenjobs und leiden unter Einsamkeit. Das führte dazu, dass ein Drittel aller Studierenden wieder Nachhause zurück gezogen ist.


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