Schon seit Monaten demonstrieren die Menschen in Brasilien gegen den neurechten Präsidenten Jair Bolsonaro. Am Wochenende waren Zehntausende auf der Straße. In Recife ging die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Menge vor.

Mehr als 10.000 Menschen waren am Samstag in Rio de Janeiro auf der Straße, um gegen die Politik des rechten Präsidenten Bolsonaro zu demonstrieren. In fast 200 Städten setzte sich die Bevölkerung in Bewegung, darunter in 27 Großstädten.

Im Fokus der Demonstrationen stand die Corona-Politik des Präsidenten. Dieser hatte das Virus immer wieder verharmlost. So bezeichnete er es unter anderem als „kleine Grippe“. Inzwischen sind nach offiziellen Angaben über 450.000 Menschen in dem südamerikanischen Land an oder mit dem Corona-Vvirus gestorben. Auch die Impfkampagne läuft aufgrund von Lieferengpässen nur schleppend an.

Aber auch gegen die Umweltpolitik Bolsonaros protestierten die Demonstrant:innen: Der Neurechte spielt nämlich eine aktive Rolle bei der Rodung des Amazonas-Regenwalds. Eine verbreitete Forderung ist die nach seiner Amtsenthebung.

Der Rückhalt des Präsidenten in der brasilianischen Bevölkerung geht augenscheinlich kontinuierlich zurück. Wie das Institut „Datafolha“ berichtet, unterstützen ihn nur noch 24 Prozent der Brasilianer:innen. 49 Prozent sprechen sich schon für eine Amtsenthebung aus, während 46 Prozent sie ablehnen.

Die Proteste am Samstag ergriffen die größten und bedeutendsten Städte Brasiliens. Aufgerufen hatten verschiedene linke Organisationen und Studierende. Auch Arbeiter:innenorganisationen wie die „Bewegung der obdachlosen Arbeiter:innen“ (MTST) beteiligten sich an den Protesten: „Wir sind auf der Straße, um Leben zu verteidigen“, sagte deren Vertreter Guilherme Boulos gegenüber den Medien.

In Sao Paulo demonstrierten zehntausende Menschen auf der Avenida Paulista – eine bedeutende Finanzstraße – und blockierten sie. In der Hauptstadt Brasilia fand parallel die größte Kundgebung seit Beginn der Pandemie statt. In Recife, der Hauptstadt des Bundesstaats Pernambuco, ging die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstrant:innen vor.

Bereits im Februar waren die Arbeiter:innen in Brasilien auf die Straße gegangen. Damals hatte die Regierung unter anderem Hilfszahlungen für diejenigen Arbeiter:innen mit geringem Einkommen und aus dem informellen Sektor eingestellt, die im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Arbeit verloren hatten.

Brasilien: Landesweite Massenproteste gegen Bolsonaro-Regierung


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.