Die Bundestagsabgeordnete Martina Renner und ihre Mitarbeiter:innen mussten am Dienstag vorsichtshalber ihr Büro in Erfurt räumen. Grund dafür war, dass kurz zuvor ein Brief mit einem verdächtigen weißen Pulver angekommen war.

Am Dienstag wurde vorsichtshalber das Büro der Landesgeschäftsstelle der Linkspartei in Erfurt geräumt, nachdem ein Brief mit einer unbekannten Substanz eingegangen war. Es wurde befürchtet, dass es sich dabei um eine gefährliche Substanz oder sogar Sprengstoff handeln könnte. Nach einem Schnelltest teilte die Polizei dann jedoch  mit, dass die Substanz ungefährlich sei.

Der Einsatz wurde von Spezialist:innen der Erfurter Kriminalpolizei und des Landeskriminalamts Thüringen durchgeführt. „Zu dem Absender und der Substanz liegen bisher noch keine Erkenntnisse vor“, sagte die Polizei am Nachmittag. Ein politisches Motiv konnte laut Polizei noch nicht ausgeschlossen werden.

Im Fadenkreuz der Rechtsterrorist:innen

Renner sitzt seit 2013 für die Linken im Bundestag. Sie arbeitete im Untersuchungsausschuss mit, der sich mit den Morden der faschistischen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ befasst. Wegen ihrer Aufklärungsarbeit erhielt sie bereits im letzten Jahr ein Drohschreiben, das mit „NSU 2.0“ unterschrieben wurde.

Auch die hessische SPD-Landesvorsitzende Nancy Faeser hatte in der vergangenen Woche ebenfalls einen Brief mit einem weißen Pulver erhalten. Dieser soll mit „NSU 2.0“ unterschrieben worden sein, der Brief an Renner blieb ohne Unterschrift. Deshalb gehen die Behörden von keinem Zusammenhang aus, es werden aber noch zwei weitere Briefe, die an Frau Renner adressiert waren, geprüft.

Anfang Mai wurde ein Mann, der angeblich hinter den „NSU 2.0 Drohschreiben“ gesteckt haben soll, festgenommen. Auch wenn die Behörden davon ausgehen, dass er ein Einzeltäter gewesen sei und  allein gehandelt habe, sprechen die Fakten eine andere Sprache.

In den Briefen wird Bezug auf rechte Brandanschläge in Berlin genommen. Teilweise haben die Briefe Poststempel aus Frankfurt, Wiesbaden oder anderen hessischen Städten. Darüber hinaus hatte der/die Absender:innen Wissen aus behördlichen Quellen, welches der im Mai festgenommene Arbeitslose  sich nur schwerlich allein hätte besorgen können. Hinzu kommt – bislang nicht erklärlich -, dass auch nach seiner Festnahme noch Drohbriefe des „NSU 2.0“ auftauchten.


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