Gefangene sind in der Pandemie nicht nur oftmals Besuchsverboten, sondern auch starken Einschränkungen ihrer Freizeitgestaltung ausgesetzt. So sind in der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) in Regis-Breitingen schon seit 2019 Sport und Bildung massiv beschnitten.

Das geht aus einer kleinen Anfrage der Linksfraktion im sächsischen Landtag hervor, über welche die „Gefangenengewerkschaft Bundesweite Organisation“ (GGBO) berichtet.

Hierbei machten die GGBO vor allem die Freizeitaktivitäten der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) in Regis-Breitingen stutzig. Während der Pandemie sind weiterhin Besuchs- und Berührungsverbote an der Tagesordnung. Allerdings sind auch die Freizeitaktivitäten stark eingeschränkt.

Der Strafvollzug soll offiziell eigentlich dazu dienen, die Gefangen zu resozialisieren. Damit soll erreicht werden, dass nach der Entlassung die Inhaftierten wieder einem geregelten Alltag nachgehen können. Allerdings wird in Zeiten der Pandemie der Strafvollzug nur seinem „ Auftrag für Sicherheit und Ordnung gerecht“, wie die GGBO schriebt.

Grund hierfür ist, dass in der JSA Regis-Breitingen schon vor der Pandemie im Jahr 2019 keine Freizeitangebote in Form von Fußball-, Volleyball, Tischtennis- oder Laufgruppen in der eigenen Sporthalle stattfanden. Brisant ist, dass hingegen die Beschäftigten die Sporthalle sehr wohl für eigene Freizeitaktivitäten, wie Badminton, nutzten. Die GGBO beruft sich hierbei auch auf Aussagen von (ehemaligen) Gefangenen.

Zusätzliches Misstrauen bekommen die Gefangen bei der Nutzung des Sportraums zu spüren. So finden Kampf- und Kraftsportarten derzeit nicht statt. Die Begründung des Sächsischen Staatsministeriums obliegt nicht der allgemeinen Situation der Corona-Pandemie: So würden ihrer Meinung nach Gefangene Kraftsport nur deshalb  machen, um „sich körperlich zu definieren bzw. der Willensdurchsetzung auf nonverbale Art Nachdruck zu verleihen“. Aggressionen können die Gefangen somit nicht kompensieren, gleichfalls erfahren die Gefangen kein sportliches Erfolgserlebnis.

Nicht nur sportliche Freizeitaktivitäten werden streng unterbunden. Hinzu kommt, dass die Bibliothek seit zwei Jahren geschlossen ist und somit kein Bildungsangebot besteht. In den Wohngruppen sind zudem viele Gesellschaftsspiele unvollständig oder kaputt.


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