Die beiden größten Konkurrenten auf dem deutschen Wohnungsmarkt könnten bald zu einem gigantischen Wohnungsimmobilienkonzern fusionieren. Die Konzernvorstände scheinen sich auf eine Übernahme der „Deutsche Wohnen“ durch „Vonovia“ geeinigt zu haben. Das Übernahmeangebot liegt bei 18 Milliarden Euro.

Bereits in der Vergangenheit hat Deutschlands größter Wohnungsbaukonzern Vonovia zwei Mal versucht, die Nr. 2 des Markts Deutsche Wohnen zu übernehmen und damit zu Europas größtem Wohnungskonzern aufzusteigen. Bisher war die Übernahme am Widerstand von Vorstand und Aktionär:innen auf Seiten von Deutsche Wohnen gescheitert.

Nun scheint man sich geeinigt zu haben: „Das Marktumfeld ist für Vonovia und Deutsche Wohnen in den vergangenen Jahren immer ähnlicher geworden. Jetzt ist der richtige Moment, die erwiesene Leistungsfähigkeit und Stärken beider Unternehmen zu vereinen“, so der Geschäftsführer von Deutsche Wohnen, Michael Zahn. Lag das Übernahmeangebot 2016 noch bei einem Volumen von 14 Milliarden Euro, so ist Vonovia nun bereit, rund 18 Millionen Euro für die Übernahme zu zahlen.

Nun müssen noch die Kartellbehörde und die Aktionär:innen dem Zusammenschluss zustimmen. Bei dem Deal dürften auch die maßgeblichen Großinvestoren wie „Blackrock“ und der Norwegische Staatsfonds, die bei beiden Unternehmen stark engagiert sind, noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Vonovia würde mit einer Übernahme seine Position als Nr. 1 auf dem deutschen Markt praktisch uneinholbar ausbauen – und seine Rolle in Berlin deutlich ausbauen. Vonovia ist bereits jetzt mit über 415.000 Wohnungen der größte Vermieter des Landes, kommt aber wegen des fragmentierten Marktes dennoch nur auf einen Marktanteil von gerade einmal 1,5 Prozent. Deutsche Wohnen ist der zweitgrößte Immobilienkonzern Deutschlands mit über 142.000 Wohnungen. Zusammen kommen die beiden Konzerne auf über 2 Prozent der deutschen Mietwohnungen. Der Immobilienwert der Unternehmen wird auf knapp 90 Milliarden Euro geschätzt.

Mieter:innenbewegung verstärkt Druck auf Wohnungskonzerne

Doch gerade in Berlin steht die Deutsche Wohnen politisch massiv unter Druck: Seit Jahren gibt es hier Proteste gegen steigende Mieten. Zur Zeit läuft eine Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren, das die Enteignung des Konzerns zum Ziel hat. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass sich die Enteignung tatsächlich durchsetzen lässt, doch der Druck und die Proteste gegen Deutsche Wohnen hat sich in den vergangenen Jahren massiv erhöht und zu einer starken politischen Bewegung entwickelt.

Dies könnte einer der Gründe sein, warum der Deutsche Wohnen-Vorstand dem Übernahmeangebot dieses Mal zugestimmt hat. Vonovia kündigte für den Fall einer Übernahme an, auf betriebsbedingte Kündigungen bis ins Jahr 2024 zu verzichten, nannte gleichzeitig jedoch die Summe von 105 Millionen Euro, die an Verwaltungskosten durch den Zusammenschluss eingespart werden müssten.

Gleichzeitig kündigte Vonovia an, einen eigenen freiwilligen „Mietendeckel“ einzuführen. Dazu sollen die regulären Mieterhöhungen in Berlin in den nächsten drei Jahren auf höchstens ein Prozent Steigerung jährlich gedeckelt werden. In den beiden darauf folgenden Jahren bis 2026 sollen Mieten höchstens im Rahmen der Inflation steigen. Nach einer Modernisierung soll die Modernisierungskostenumlage „über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf maximal zwei Euro pro Quadratmeter begrenzt“ werden. Ob Vonovia diese am Montag angekündigten Maßnahmen auch wirklich umsetzen wird, bleibt unterdessen abzuwarten und dürfte dann ein direktes Zugeständnis an die Mieter:innenbewegung sein.


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