Um formal eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu umgehen, musste sich der nationalistische „Flügel“ der AfD auflösen. In Niedersachsen gratulierten sich nun AfD-Mitglieder dazu, die Strukturen wiederbelebt zu haben – „konspirativ“ und an allen Kreisverbänden „vorbei“.

Ein AfD-Mitglied fertigte auf einem Geheimtreffen von rund 40 AfD-Abgeordneten einen dreistündigen Tonmitschnitt an. Gegenüber seiner Partei versicherte das Mitglied eidesstattlich, sich eingeschleust zu haben, um Informationen zu beschaffen. WDR und NDR liegen die Informationen des Mitglieds ebenso vor wie die persönliche Versicherung.

Höcke-Flügel der AfD ist aufgelöst – er habe dem Image geschadet

Zu dem Treffen in Verden an der Aller im Februar waren etwa 40 AfD-Politiker:innen aus Niedersachsen angereist. Mehrere Bundestagsabgeordnete sowie der Ex-Landesvorsitzende Armin-Paul Hampel waren anwesend. Thema war – auch wenn Hampel es widersprüchlich zur Tonaufnahme beschreibt – offenbar die Wiederbelebung des Flügels in Niedersachsen.

Flügel in neuem Gewand

Björn Höcke, ehemaliger Flügel-Chef, nannte die Struktur einst „historisiert“, womit er wohl „aufgelöst“ meinte. Dass ein Teilnehmer des Treffens nun äußerte: „Ich beglückwünsche uns dazu, dass wir die alten Flügel-Strukturen wieder reaktiviert haben“, legt nahe, dass dem wohl auch eine Weile so war.

Die tagesschau gibt eine Aussage wieder, der zufolge Parallelstrukturen aufgebaut würden. DIese gingen „zu 100 Prozent“ an den Kreisverbänden der AfD „vorbei“. Auf der Veranstaltung wurden sogenannte Regionalkoordinator:innen bestimmt. Als „gewählte Vertreter des patriotischen Lagers“ sei deren Aufgabe, „darüber Mehrheiten zu gewinnen. Wir nennen es natürlich nicht so, wie es früher hieß, wir nennen das dann irgendwie anders.“. Die Arbeit der Regionalkoordinatoren laufe bestenfalls „komplett unter dem Radar“, so ein Teilnehmer.

Machtkampf innerhalb der Partei

Aus einigen Äußerungen wird deutlich, dass auch der Flügel konspirativ und mit Mitgliedslisten arbeitete. Das hatten Flügel-Angehörige bisher gegenüber der Partei und der Öffentlichkeit bestritten. An der Auflösung hatte sich ein Machtkampf innerhalb der AfD entfacht, der sich nun weiter zuspitzt.

So spielt ein mutmaßlicher Landesvorstand auf die „heilige römische Inquisition“ an. Diese war eine Bewegung der katholischen Kirche, die zur Aufgabe hatte, „Ketzer“ zu bekehren, zu verfolgen und zu bestrafen. Er führt fort: „Wir müssen die Leute persönlich einzeln rauspicken, isolieren, bekämpfen, aussortieren, das klingt jetzt ein bisschen böse, liebe Freunde, wir müssen auch lernen, böse zu sein.“

Jörg Meuthen, Bundessprecher der Alternative für Deutschland, seinerseits drohte mit „Parteiordnungsmaßnahmen“, sollte sich der Verdacht als wahr herausstellen.


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