Mit zahlreichen legalen und illegalen Steuertricks schaffen es die Ultrareichen, kaum Steuern auf ihr stark wachsendes Vermögen zu zahlen. Nun veröffentlichten Investigativjournalist:innen von ProPublica das Ausmaß der Steuervermeidung.

Kaum ein Amerikaner oder eine Amerikanerin glaubt mehr den Mythos, der besagt, dass alle ihren gerechten Teil beitragen und die Reichsten umso mehr. Die Enthüllung durch die Investigativ-Plattform ProPublica sollte nun auch die Letzten davon überzeugen.

ProPublica erhielt einen umfangreichen Datenberg mit Tausenden von Steuerbescheiden der amerikanischen Steuerbehörde IRS. Diese Daten belegen, dass die Ultrareichen auf ihr überquellendes Vermögen nur einen winzigen Steuersatz zahlen.

Grund dafür sei der Aufbau des Steuersystems und die Versteuerung von Einkommen. So werden Einkommen generell versteuert, Vermögenszuwächse allerdings nicht. Erst wenn die Aktien, Wertpapiere/Immobilien etc. verkauft werden, wird eine Steuer fällig. Darüber hinaus nutzen die Reichen noch zahlreiche Mittel und Wege, um Steuerzahlungen zu vermeiden.

Die Zeitung errechnete den Steuersatz der 25 Reichsten US-Amerikaner:innen. So kam diese überschaubare Gruppe in den Jahren 2014 bis 2018 auf einen Steuersatz von nur 3,4 Prozent. Ihr Vermögen wuchs in dem Zeitraum um 401 Milliarden Dollar, doch sie zahlten darauf nur Einkommenssteuern in Höhe von 13,6 Milliarden Dollar. In der Liste der Ultrareichen tauchen unter anderem Jeff Bezos, Warren Buffet und Elon Musk auf.

Bezos Milliardengeschäft mit Amazon

Der Multimilliardär und Amazon-Gründer Jeff Bezos treibt das System der „Steueroptimierung“ auf die Spitze. Im Jahr 2007 etwa zahlte er gar keine Steuern. Im selben Jahr verdoppelte sich der Wert von Amazon: Sein persönliches Vermögen schoss um 3,8 Milliarden Dollar in die Höhe.

Dass Bezos keine Steuern gezahlt hat, war clever eingefädelt und doch vollkommen legal. Er gab in dem Jahr ein Einkommen von ‚mickrigen‘ 47 Millionen Dollar an, auf das er durch Verluste bei anderen Investitionen und Abschreibungen schlussendlich keine Steuern zahlen musste.

Im Jahr 2011 kassierte er sogar eine Rückzahlung aus der US-amerikanischen Steuerkasse. Weil sein Vermögen über das Jahr hinweg etwa bei 18 Milliarden Dollar stehen blieb, konnte er sogar eine Steuergutschrift für seine Kinder in Höhe von 4.000 Dollar herausholen.

Warren Buffetts Finanztricks: 0,1% Steuern auf 24 Milliarden Dollar

Der Finanzmogul Warren Buffett führt die Liste der größten Steuervermeider an. Im Zeitraum von 2014 bis 2018 stieg sein Vermögen um satte 24,3 Milliarden Dollar. Im selben Zeitraum zahlte er nicht einmal 24 Millionen Dollar Steuern an die IRS. Damit kommt er auf einen Steuersatz von unter 0,1%. Besonders scheinheilig ist dieser Fall, da Buffett in der Öffentlichkeit oft als Philanthrop auftritt und höhere Steuern für Reiche fordert.

Die Enthüllungen kommen zu einer entscheidenden Zeit: Nachdem der Reichtum der Ultrareichen im letzten Jahr enorm angewachsen ist, debattiert das US-amerikanische Parlament über eine Erhöhung des Einkommenssteuerhöchstsatzes. Die Daten zeigen nun offensichtlich, dass solch eine Steuerreform die große Mehrheit der Ultrareichen kaum belasten würde.

In den kommenden Monaten möchte ProPublica weitere Analysen der Daten anstellen und veröffentlichen. Ihr erklärtes Ziel dabei ist detailliert darzustellen, wie die Ultrareichen Steuern hinterziehen, Schlupflöcher ausnutzen und Prüfungen durch die Steuerbehörden verhindern.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.