Seit mehreren Monaten verhandeln die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und die Deutsche Bahn (DB) über einen neuen Tarifvertrag. Nun will die GDL in den Arbeitskampf eintreten und bezichtigt die DB der Lüge.

Seit mehreren Monaten brodelt es gewaltig: Die DB verzeichnete im letzten Jahr wegen der Pandemie und des Lockdowns immer weniger Fahrgäste und erwirtschaftete somit ein deutliches Minus in Millionenhöhe. Trotz eines harten Sanierungskurses und einer zusätzlichen Rekordverschuldung von 30 Milliarden Euro wurde im Jahr 2020 dennoch über 3.500 Führungskräften der DB ein Bonus ausgezahlt.

Zwei Gewerkschaften kämpfen für ihre Kolleg:innen: Zum einen ist das die „Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft“ (EVG), zum anderen die GDL. Die EVG vertritt hierbei die Kolleg:innen in großen Teilen des Verkehrsbereichs bis hin zu Busfahrer:innen, während die GDL sich hauptsächlich auf die Lokführer:innen konzentriert. Schon im September 2020 schloss die EVG ihren Tarifvertrag mit der DB ab. Herausgekommen war eine Gehaltserhöhung von 1,5 Prozent und ein Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum Jahr 2023. Bei der aktuell stark steigenden Inflation dürfte dieser Abschluss am Ende ein deutlicher Reallohn-Verlust sein.

Die GDL hingegen will einen besseren Angebot durchsetzen und nahm nicht an den Verhandlungen vergangenen Jahres teil. Auch ein Schlichtungsangebot lehnte sie ab, um den auslaufenden Tarifvertrag im Februar 2021 komplett neu zu verhandeln. Hierbei geht es der Gewerkschaft um mehr als eine Nullrunde. Sie fordert für ihre Kolleg:innen eine Gehaltssteigerung von 3,2 Prozent auf 28 Monate.

Während der Verhandlungsrunden wird klar, wie die Deutsche Bahn ihre PR-Abteilung ins Spiel bringt. So bezichtigt GDL-Chef Claus Weselsky die DB, mit Nebelkerzen und „alternativen Fakten“ zu versuchen, die Gewerkschaft zu diskreditieren und durch die Verrechtlichung unstrittiger Inhalte Verwirrung zu stiften.“ Hintergrund ist der sogenannte „solidarische Tarifabschluss“ der Deutschen Bahn, bei dem den Beschäftigten kürzere Betriebsrenten, Einschränkungen in der Freizeitplanung und ein Verlust des Reallohns drohen.

Im Jahr 2015 zeigten die Lokführer:innen ihre Stärken und legten mit ihren Streik weiträumig den Bahnverkehr lahm. Streitschlichter zwischen der Gewerkschaft und dem Konzern war damals der heutige thüringische Landespräsident Bodo Ramelow (LINKE).
Derzeit fokussieren sich viele Medien auf die möglichen Auswirkungen für die Konsument:innen der DB bei einem kommenden Streik. Dadurch erhält die Deutsche Bahn Rückenwind. Tatsächlich nämlich sind die Forderungen der GDL gering. Bei einer derzeitigen Inflation von 2,3 Prozent ist eine Forderung nach 3,2 Prozent Gehaltserhöhung auf mehr als zwei Jahre mehr als verhältnismäßig.


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