Das Gericht in Den Haag hat entschieden: der Erdöl- und Erdgaskonzern Shell muss die Emissionen bis 2030 um 45% im Vergleich zu 2019 reduzieren. Berücksichtigt man jedoch, dass dem Unternehmen die klimaschädlichen Auswirkungen seit den 80ern bekannt waren, ist dieses späte Resultat eher ernüchternd. — Ein Kommentar von Umut Devrim.

Ein kleiner Lichtblick für den Klimaschutz war das Urteil im einem großen Umwelt-Prozess Ende Mai, den Umweltschützer:innen gegen den Erdöl- und Erdgaskonzern Royal Dutch Shell gewannen. Das Unternehmen hatte sich selbst bereits „Klimaziele“ gesetzt, jedoch haben Umweltschutzorganisationen und mehr als 17.000 Bürger:innen geklagt, dass dies viel zu wenig sei und klimaschädliche Aktivitäten ungebremst weitergehen würden.

Nun hat das niederländische Gericht entschieden, dass Shell die CO2-Emissionen bis 2030 um 45% im Vergleich zu 2019 senken muss. Die bisher gesetzten Ziele waren „wenig konkret und voller Vorbehalte“. Olaf Bandt, der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bezeichnet das Urteil als „historisch“.

Interne Studien zeigen: Folgen seit den 80ern bekannt

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Shell bereits 1986 selbst eine interne Studie zum Treibhauseffekt durchgeführt hatte, in der auf die Folgen der Klimaerwärmung eingegangen wurde:  das Schmelzen von Geltschern, der Anstieg der Meeresspiegel, das Verschwinden von Ökosystemen – alles schon damals bekannt gewesen.

Das hinderte Shell jedoch nicht daran, das Geschäft weiter auszubauen, so dass der Konzern im letzten Jahr auf Platz 5 der Unternehmen mit dem höchsten Umsatz stand. Eine ähnliche Studie gab es bereits 1982 von ExxonMobil, auf Platz 11 der Liste, deren Vorhersage zur CO2-Konzentration in der Luft für 2020 erstaunlich gut zutrifft. Der Bericht von ExxonMobil warnt vor katastrophalen Zuständen, relativiert sie jedoch dann in makabrer Weise, dass dies nicht „so bedeutend für die Menschheit wie ein nuklearer Holocaust oder eine Hungersnot“ sei.

Beide Berichte waren eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und wurden jeweils in den Jahren 2018 und 2015 geleaked. Bedenkt man, dass diese Konzerne über Jahrzehnte den Klimawandel leugneten und neue Regularien behinderten, ist es wieder eine eindrückliche Mahnung, welchen Stellenwert der Profit im Verhältnis zu Umwelt und zum Überleben der Menschheit hat.

Wie akut es jedoch ist, gegen solche Konzerne vorzugehen, zeigt der kürzliche Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO): die Gefahr, dass wir bis 2025 eine Temperaturerhöhung von 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten erreichen, beträgt mittlerweile 40% –  mit steigender Tendenz. Ab diesem Temperaturlevel werden teils unumkehrbare Änderungen in den Ökosystemen erwartet, wie zum Beispiel das Sterben der Korallen, die für die Artenvielfalt in den Ozeanen essenziell sind.


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