Die Fahrradkurier:innendienste „Lieferando“ und „Gorillas“ machten in den letzten Wochen und Monaten immer wieder durch ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und willkürliche Kündigungen von sich reden. Der Verein „Aktion gegen Arbeitsunrecht“ ruft nun am 13. August zu bundesweiten Protesten gegen die beiden Unternehmen auf.

Gerade das – in Deutschland recht neue, in den USA schon etablierte – Start-Up Gorillas, das momentan hauptsächlich in Berlin vertreten ist, brachte es in letzter Zeit bundesweit in die Negativschlagzeilen.

Nachdem der Supermarkt-Lieferdienst dort einen Fahrradkurier unter umstrittenen Umständen gefeuert hatte, kam es zu spontanen Solidaritätsaktionen und Streiks.

Dazu wurden noch weitere Missstände öffentlich, etwa die Sabotage einer Betriebsratsgründung, verkehrsunsichere Fahrräder und eine Probezeit von sage und schreibe sechs Monaten.

Auch Lieferando ist für arbeiter:innenfeindliches Verhalten bekannt, wie zum Beispiel durch seine krasse Überwachung der Beschäftigten.

„Lieferando“ überwacht Beschäftigte und speichert Daten jahrelang

Der Sprecher der „Aktion gegen Arbeitsunrecht“, Elmar Wigand, hält deshalb fest: „Beide Unternehmen haben ein Management, das ohne Druck von der Straße nicht dazu lernen wird. Bislang gibt es bei beiden nur sehr bescheidene Fortschritte zu verzeichnen. Die Unzufriedenheit der Beschäftigten ist groß. Gorillas & Lieferando sind daher beide würdige Angriffsziele.“

Konkret gefordert werden von Gorillas & Lieferando:

  • Arbeitsschutz & Sicherheit!
  • Union Busting stoppen: Betriebsräte gründen + schützen!
  • Schluss mit sachgrundloser Befristung & Kettenbefristung!
  • Sechs Monate Probezeit sind zu lang!
  • Transparente Abrechnung, kein Trinkgeld-Klau und andere Tricksereien!
  • Ausrüstung und Reparaturen sind keine Privatsache!
  • Keine Total-Überwachung, inhumanes Ranking & systematischer Datenklau!

Auch die Beschäftigten anderer Betriebe der Branche sind zum Mitmachen aufgerufen. So sagt Jessica Reisner, Campaignerin bei Aktion Arbeitsunrecht: “Wir hoffen, dass neben den Riders von Gorillas & Lieferando auch Kuriere von Wolt, Flink, Burger.me, Domino’s und vielen anderen Fahrrad-Lieferdiensten mitmachen!”

Die Aktionen für den 13. August werden dabei nicht überall unmittelbar von der Aktion gegen Arbeitsunrecht selbst vorbereitet. Vielmehr sieht sie sich als Koordinationsstelle und Impulsgeberin. So werden die meisten Aktivitäten in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten, Betriebsrät:innen, Gewerkschaften und lokalen Solidaritätskomitees lokal und selbst organisiert.


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