Laut einer Studie wird die Bundesrepublik als weniger weltoffen und tolerant gegenüber Ausländer:innen und anderen Kulturen eingeschätzt.

Das Goethe-Institut, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) haben in einer gemeinsamen Studie mehr als 600 Menschen aus über 37 Ländern befragt. All diese Expert:innen verfügen über langjährige Erfahrungen des Lebens in Deutschland.

Corona-Pandemie

Das Management während der ersten Welle im Frühjahr 2020 wird als effizient und vorbildlich wahrgenommen. Für die zweite Welle ändert sich diese Einschätzung: Die Disziplin solle abgenommen haben und Impfstoff sei nicht in ausreichender Menge bereitgestellt worden. Für zukünftige Krisen sei ein effektiveres Management vonnöten.

Made in Germany

Das allgemeine politische System wird hingegen als sicher und rechtsstaatlich wahrgenommen. Das Zusammenspiel verschiedener Interessengruppen funktioniere gut, und Deutschland wird als wirtschaftliche Führungsmacht gesehen. Bildung, Forschung und das Gesundheitssystem gelten als effektiv, mit hoher Qualität und mit gutem Zugang für breite Bevölkerungsteile. Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, die Wiedervereinigung und die Aufnahme von Geflüchteten würden positiv registriert.

Unflexibel, zögerlich und fremdenfeindlich

Der mangelnde Ausbau der digitalen Infrastruktur wird hingegen stark kritisiert, ebenfalls der häufiger starre, übervorsichtige und überkritische Charakter der Deutschen. Der Klimaschutz werde nicht ernst genug angegangen, eine nicht ausreichende Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und die ausgeprägten Hierarchien im Hochschulsystem werden bemängelt. Zudem seien populistische und extremistische Positionen auf dem Vormarsch. Die Befragten schilderten, dass sie in den letzten Jahren weniger Toleranz und Freundlichkeit erlebt hätten. Diskriminierung sei eine Erfahrung, die unter ihnen zahlreiche Menschen erlebt hätten.

Deutschland verschließe sich vor Partnerschaft und Diversität. Für Menschen mit Migrationshintergrund sei es schwieriger geworden, Anschluss und Zugang zu Deutschen zu finden. Somit sei der Ausbau der Zusammenarbeit erschwert, wobei mit der Wahl einer neuen Bundeskanzlerin oder eines neuen Bundeskanzlers im September sowohl Kontinuität als auch Aufbruch in der Politik verbunden werden.


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