Von Seehofer bis Baerbock sind sich alle einig: der Klimawandel spielt eine entscheidende Rolle bei den massiven Regenfällen über Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Doch aufhalten können sie dies nicht – das kann nun eine radikale Abkehr von der kapitalistischen Produktionsweise – ein Kommentar von Tim Losowski

Bei den Starkregenfällen der vergangenen Tage sind alleine in Deutschland bisher über 80 Menschen gestorben, über 1.300 werden noch vermisst. Brücken und Straßen sind zerstört, kleine Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Der Bürgermeister des Dorfes Schuld, wo 40% der Häuser zerstört sind, spricht von einer „Lage wie nach einem Bombenangriff“. In Großstädten sind hunderttausende Keller vollgelaufen. Der Sachschaden gehen in die Milliardenhöhe.

Hinter den Zahlen steht ein entsetzliches Leid von vielen vielen Menschen, die ihre Kindheitserinnerungen aus dem Keller, die Einrichtung ihres Kiosks, die Ernte auf dem Feld, ihr unteres Stockwerk samt Küche, ihr Haus oder sogar ihre Angehörigen verloren haben.

Dieses Leid plagt schon seit Jahrmillionen Menschen auf der ganzen Welt, die von Extremwettern mehr und mehr betroffen sind. Mit lauten Schlägen hat die Klimakatastrophe nun auch (mal wieder) an die Haustür Deutschlands geklopft.

Klimawandel als Ursache

Schon die Ausgangslage war dieses Jahr schlecht: durch ein nasses Frühjahr konnten die Böden nun kaum mehr Wasser aufnehmen. Zudem sind NRW und Rheinland-Pfalz teilweise bergig – was die massiven Überschwemmungen entlang der Flüsse begünstigt hat. Hinzu kommen massive Flächenversiegelungen und eine Pestizid-Landwirschaft, die aus lebendigem, wasserspeicherndem Boden nur noch mineralisches Substrat gemacht haben.

Kaum jemand zweifelt am Klimawandel als Ursache der zunehmenden Extremwetter. Allgemein gesprochen können eine erwärmte Erde und Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen – und mehr abregnen lassen. Im konkreten Fall kam noch hinzu, dass das Tief „Bernd“ sich über mehrere Tage über Deutschland aufhalten konnte, da es nicht weitergetrieben wurde. Ursache für diese festgefahrene Wetterlage ist der schwächer werdende sogenannte „Jetstream“. Dieser schwächelt, da der Temperaturkontrast zwischen Nord und Süd abnimmt. Die Arktis erwärmt sich nämlich schneller als der Rest des Planeten.

Kapitalismus als Ursache

Von Horst Seehofer bis Greta Thunberg ist man sich dabei einig über die Bedeutung des Klimawandels – und doch kommt von keiner Seite eine ausreichende Lösung. Während die führende Politik alles dafür tut, um die Klimaprobleme „marktwirtschaftlich“ (nicht) zu lösen, sehen Teile der Fridays-For-Future-Bewegung allzu oft Konsumkritik als Antwort.

https://twitter.com/maybritillner/status/1415830857647104015

Bei Maybrit Illner machte der deutsche Fernsehmoderator und Aktivist bei „Scientists for Future“, Eckart von Hirschhausen, zwar mit deutlichen Worten auf richtige Probleme aufmerksam, als er davon sprach, dass „diese Priorisierung von Wirtschaft“ im „derartig auf den Sack“ gehe. Doch als Antwort kommt dann nur, dass man einer „Wachstumsideologie“ anhänge, die „krank“ sei.

Nein, „Wachstum“ meint hier kein grundsätzliches Problem, an sich, sondern kapitalistisches Wachstum: denn dieses „wächst“ nur da, wo es ein einzelner Kapitalist wachsen sehen will und sich Profit verspricht. In einer sozialistischen Ökonomie dagegen würden wir sehr wohl ebenfalls auf Wachstum setzen – aber eben in dem Sinne, dass wir die Technologie fortentwickeln und wachsenden Bedürfnissen von Milliarden Menschen nachkommen. Wir könnten dies auf Basis einer ökologischen Kreislaufwirtschaft durchführen, da niemand dazu gezwungen wäre, billig und besonders profitabel zu produzieren.

Weiter schlägt Hirschhausen vor, dass wir „dieses dieses Thema global verstehen, wir müssen verstehen, dass Gesundheitsherausforderungen, mit Corona, mit Klimawandel, mit Artensterben nur global gelöst werden können.“ Auch das ist absolut richtig. Doch wie diese globale Antwort aussehen soll und wer sie geben soll – diese Antwort bleibt er schuldig. Es ist offensichtlich, dass die UN eben dieses Ziel nicht erreicht hat. Wie auch? Dort sitzen doch die Verantwortlichen der Klimaverbrechen an einem Tisch!

Die Klima-Katastrophe ist der Ruf nach einem neuen System. Nur, wenn sich eine antikapitalistische Bewegung von unten weltweit „an einen Tisch“ setzt, kann sie die wirklichen Antworten formulieren. Doch dafür benötigen wir eine solche antikapitalistische Bewegung in jedem Land! Wer also den zukünftigen Klimakatastrophen etwas entgegen setzen will, muss daran mitarbeiten.


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