Im US-Bundesstaat Texas tritt ab September der „Heartbeat Bill“ in Kraft. Abtreibungen sind demnach illegal, sobald ein Herzschlag zu erkennen ist. Zu diesem Zeitpunkt wissen manche Schwangere noch nicht einmal von ihrer Schwangerschaft. Besonders heikel: Nicht eine Behörde, sondern Bürger:innen sollen das Gesetz durchsetzen. Dafür soll es sogar eine Belohnung von 10.000 Dollar für Denunziant:innen geben.

Heute stimmte der Senat des Bundesstaats Texas für den sogenannten „Heartbeat Bill“. Das Gesetz macht Schwangerschaftsabbrüche ab der sechsten Woche strafbar. Bürger:innen sollen Anbieter:innen von Abtreibungen anzeigen, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen. Bei Erfolg würden die Denunziant:innen nicht nur die Anwaltskosten erstattet, sondern auch 10.000 Dollar Belohnung erhalten.

Hitzige Debatte in den USA

Die Debatte um Abtreibungen und das Recht auf körperliche Selbstbestimmung wird in den USA heftig diskutiert. Mehrere landesweite Organisationen, die teilweise über große Budgets und großen Einfluss verfügen, haben sich der Angelegenheit verschrieben, Abtreibungen unzugänglich und damit gefährlicher für Leib und Leben zu machen. Denn das Ziel, „Abtreibungen zu verhindern und Leben zu schützen“, erreichen die Pro-Life-Anhänger:innen nachweislich nicht. Erhebungen zeigen, dass Abtreibungen nach einem Verbot nur unwesentlich abnehmen, sie rutschen lediglich vom Hell- ins Dunkelfeld.

„Dont Mess With Texans‘ Abortions“

Während der texanische Gouverneur den Gesetzesvorschlag unterzeichnete, protestierten in der Hauptstadt Austin Pro-Choice-Aktivist:innen für Selbstbestimmung. Sie kritisieren insbesondere die enge Frist des neuen Gesetzes. Ein Herzschlag sei ab der sechsten Woche zu erkennen. In der sechsten Schwangerschaftswoche seien jedoch viele Schwangerschaften noch unbemerkt, insbesondere ungeplante.

„Das ist, noch bevor viele Leute überhaupt wissen, dass sie schwanger sind, was bedeutet, dass sie uns unsere Entscheidung nehmen könnten, bevor wir überhaupt wissen, dass wir eine Entscheidung über unsere eigenen Körper und unser eigenes Leben zu treffen haben. Ist das okay? Nein!“, erklärt Amanda Williams. Sie ist Direktorin des „Lilith Fund for Reproductive Equity“, einer Menschenrechtsorganisation, die sich für sichere Abtreibungen in Texas einsetzt.


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