Ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht, viele sprechen von einer kommenden 4. Welle. Für Millionen Kinder und Jugendliche, die sich bisher nicht impfen lassen können, stehen weiter massive Einschränkungen an. – Ein Kommentar von Michelle Mirabal

Seit Anfang der Pandemie ist klar, dass die Einschränkungen besonders die Jugend treffen. Immer wieder wurde gesagt „Schränkt euch ein, damit eure Großeltern nicht sterben müssen“. Schon da übertrug der Staat die Aufgabe und die Verantwortung des Schutzes vor dem Virus auf die Jugendlichen und ihre Eltern.

Keine Treffen mit Freund:innen, keine Abschlussfeiern, kein 18. Geburtstag. Und wurde sich dann doch mal in kleinen Gruppen getroffen, weil die jungen Leute es einfach nicht mehr aushalten konnten, ging die Polizei oft aggressiv gegen sie vor, teils mit körperlicher Gewalt und Hunden oder jagte sie mit Autos.

Es geht aber hier nicht nur um soziale Kontakte, sondern auch um die Angst vor der Zukunft. Immer mehr Ausbildungsplätze fallen weg, die Situationen an den Schulen ändern sich fast täglich, und wie es mit den Unis weitergeht, war von Anfang an ungewiss. Die Kinder und Jugendlichen bekommen im Homeschooling oft viel mehr Aufgaben, als sie normalerweise in der Schule machen würden. Zusätzlich zu dem schon erschwerten Lernen werden sie auch noch dadurch massiv überfordert. Bei den Studierenden sieht es sehr ähnlich aus. Hier fällt auch noch das Campus-Leben weg und damit der soziale Austausch, der für viele sicher ein bedeutender Teil des Studierens ist,.

Brutale Polizeieinsätze gegen Jugendliche in Brüsseler Parkanlage

Das alles führt zu starken psychischen Belastungen. Bisherige Studien zeigen, dass mindestens ein Drittel der Kinder und Jugendlichen einen Anstieg von Ängsten erfahren. Das beginnt schon bei Kindern, die gerade erst einmal zwischen 0 und 2 Jahre alt sind. Psychische Probleme sind im Kapitalismus nichts Neues. Schon vor der Pandemie war das für viele Alltag: Leistungsdruck, Ausbeutung und Angst vor der Zukunft hinterlassen ihre Spuren. Und wenn die Jugendlichen sich dann gegen Polizeigewalt und Ausbeutung wehren, werden sie in den Medien schlecht geredet und als bloße Randalierer:innen dargestellt.

Auch wenn jetzt immer mehr Erwachsene geimpft sind, bleibt eine konkrete Perspektive für die Jugend weiterhin aus. Eine konkrete Impfempfehlung der STIKO gibt es immer noch nicht. Die STIKO ist die sogenannte „Ständige Impfkommission“, ein Gremium aus Expert:innen, das die Regierung berät. Bislang heißt es lediglich, dass Kinder und Jugendliche aus Risikogruppen sich mit Biontech impfen lassen sollen. Die restlichen 12-17 jährigen bleiben dann vermutlich ebenso ungeimpft, wie die noch jüngeren Kinder. Besonders fatal ist das, wenn man bedenkt, das Virolog:innen sagen, dass alle diejenigen, die nicht geimpft sind, sich früher oder später wohl mit Covid anstecken werden – Stichwort „Herdenimmunität“. Fraglich bleibt vor diesem Hintergrund, welche Auswirkungen noch weiter anhaltende einschränkende Maßnahmen des Staates auf die Grund- und Freiheitsrechte der ungeimpften Jugendlichen, aber auch Erwachsenen haben werden.


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