Es ist und bleibt ein offenes Geheimnis: die Nutzung von Algorithmen im Internet ist absolut undurchsichtig. Auch Konzerne und Politik nutzen diese Algorithmen mittlerweile für sich. Ein Team von Forscher:innen möchte nun den YouTube-Algorithmus analysieren.

Daten besitzen einen immer größeren Wert: Internetkonzerne wie Amazon oder YouTube verdienen mittlerweile eine Menge Geld mit der Nutzung von personalisierten Daten. Häufig geben die Internetnutzer:innen ihre Daten nicht einmal freiwillig heraus oder müssen große Anstrengungen unternehmen, dass die Daten zumindest in Teilen anonymisiert werden. Die Nutzung von VPN oder die Ablehnung, „alle Cookies zu akzeptieren“ auf den Webseiten, hilft dabei nur im kleinem Maße.

Häufig werden die Daten viel komplizierter gesammelt: Wer sich beispielsweise am Sonntag in Thüringen im Internet über die aktuellen Nachrichten informieren will, kann danach schnell eine Anzeige für ein T-Shirt erhalten mit einem Aufdruck einer Reichskriegsflagge. Bei genauerem Hinsehen und der Google-Anfrage „Warum sehe ich diese Werbung?“ verrät der Konzern, welche Daten eine wichtige Rolle spielen könnten: „Tageszeit“, „Von ihnen besuchte Website“ oder „Allgemeiner Standort (z.B. Land oder Stadt)“.

Auch bei dem Videodienst YouTube werden Daten gesammelt: Zur derzeitigen Hochwasser-Katastrophe trendet z.B. gerade ein Video zum Thema „Wie kann man sich aus einem überfluteten Keller retten?“ – scheinbar passend zur aktuellen Klimakatastrophe in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Allerdings wurde das Video vor sieben Monaten hochgeladen.

Ebenso sammelt YouTube weitere Daten. Beispielsweise wird vor Beginn einiger Videos Werbung geschaltet. Teilweise sind diese Werbeblöcke über eine Minute lang. Wenn diese Werbevideos ‚genervt‘ weg geklickt werden, zeigt man dem Algorithmus, dass die Werbung aktiv gesehen wurde. Wenn man die Werbung hingegen durchlaufen lässt, suggeriert der Algorithmus dem Werbetreibenden paradoxerweise, dass die Werbung weniger wahrgenommen wurde.

Algorithmus soll erforscht werden

Ein Team von Datenjournalist:innen und Wissenschaftler:innen möchte nun den Algorithmus analysieren. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Bundestagswahl  im September 2021. Denn diese Daten könnten nicht nur den Konzernen von Nutzen sein, sondern auch der herrschenden Politik.

Die Wissenschaftler:innen bitten deshalb jetzt um „Datenspenden“: Hierzu muss sich die Software „Dataskop“ herunter geladen werden. Zudem braucht jede:r Datenspender:in einen YouTube-Account, den man sich freiwillig auslesen lässt. So sollen die Videos analysiert werden, die sich um die Bundestagswahl 2021 drehen. Die Ergebnisse sollen einen Monat vor der Bundestagswahl, am 25. August 2021, präsentiert werden. Nach dem Projekt sollen die Daten weiterhin genutzt werden können. Der Clou: Die Datenspender:innen können jederzeit ihre Daten bearbeiten, herunterladen oder löschen.


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