Die ansonsten so beschauliche Stadt Freiburg kann auf ein ereignisreiches Wochenende zurückblicken. Am Samstag fand eine überregionale antifaschistische Demonstration statt, am Sonntag eine Anwohner:innen-Versammlung gegen rechte Gewalt im Heldenviertel. Anlass für beide Aktionen waren zwei rechte Angriffe vor einigen Wochen in Freiburg.

Am 12.6. hatte der AfD-Aktivist Robert H. zunächst zwei linke Jugendliche nach einer verbalen Auseinandersetzung mit Pfefferspray angegriffen. Danach attackierte er auch zwei couragierte Ersthelfer:innen – zunächst erneut mit Pfefferspray, dann mit einem Messer. Dabei fügte er einem Ersthelfer eine mehrere Zentimeter lange Wunde zu.

Am selben Tag kam es zu einer rassistischen Hetzjagd auf einen lettisch-stämmigen Linken. Dieser wurde von einem Mob, unter dem sich auch mindestens zwei Polizisten befanden, unter „Ausländer-Raus“-Parolen eine Straße hoch und runter gejagt.

Für Samstag, 24. Juli, hatte darauf hin ein Bündnis aus verschiedenen linken, antifaschistischen Gruppen und Initiativen zu einer überregionalen Demonstration unter der Parole „Kein Angriff ohne Antwort“ aufgerufen. Diesem Aufruf folgten rund 1.000 Antifaschist:innen, die zum Teil sogar spontan überregional angereist waren. Die Demonstration zog wütend und laut räumlich nah an beiden Tatorten vorbei. Für den kämpferischen Ausdruck sorgte immer wieder auch Pyrotechnik.

„Keinen Angriff lassen wir unbeantwortet“ – Antifaschistische Demo nach rechten Attacken in Freiburg angekündigt

In Redebeiträgen, die auch von einigen Opfern der rechten Angriffe verfasst worden waren, wurden die Geschehnisse geschildert, und es wurde klar formuliert, dass weder Vertrauen in die lokale Polizei noch in die Badische Zeitung als wichtigste Lokalzeitung bestehe, die Angriffe aufzuklären. Stattdessen werde von deren Seite immer wieder die Sicht der Täter:innen übernommen.

Die Polizei stoppte währenddessen die Demonstration immer wieder und griff sie – an mindestens einer Stelle – auch mit Schlagstöcken und Pfefferspray an. Dabei wurde z.B. einer Demonstration ihr Front-Transparent entrissen. Die „Demo-Sanis Südwest“ berichten dazu, dass sie in Folge des Pfefferspray-Einsatzes mindestens 10 Demonstrant:innen versorgen mussten. Die Angriffe gingen mit der Drohung der Polizei-Einsatzleitung einher, die Demonstration aufzulösen. Trotzdem blieb die Demo zusammen und konnte zu einem selbstbestimmten Abschluss gebracht werden.

Antifaschistische Viertel-Organisierung

Am Sonntag fanden sich dann im sogenannten „Heldenviertel“ rund 25 Menschen zu einer Anwohner:innen-Versammlung zusammen. Dort hatte der Angriff durch den AfD-Aktivisten Robert H. stattgefunden. Dieser wohnt auch unweit des Tatorts. Eingeladen zu der Versammlung hatten Aktivist:innen der offenen Jugendgruppe „Internationale Jugend“ unter dem Motto: „Rechte Gewalt im Viertel – Wie gehen wir damit um?“. Dafür hatten die jungen Leute mehr als 1.000 Flyer und Plakate im Viertel verteilt und zahlreiche Haustürgespräche geführt.

Ein Vertreter der Gruppe, der in dem Quartier wohnt, beschreibt die Motivation dahinter eindrucksvoll: „Der rechte Angriff bei uns im Viertel hat uns tief geschockt. Er fand ja mitten im Viertel statt, direkt vor der Haustür von vielen von uns. Für uns war da klar, dass es jetzt wichtig ist, dass die Nachbarschaft zusammenkommt. Wir hoffen, dass wir gemeinsam mit unseren Nachbar:innen ein klares Zeichen setzen können, dass wir rechtes Gedankengut und seine Konsequenzen hier im Viertel nicht haben wollen.“

Auf der Versammlung wurde kontrovers diskutiert. Mehrere der anwesenden Anwohner:innen brachten klar zum Ausdruck, dass sie einen gewalttätigen Rechten wie Robert H. nicht zum Nachbarn haben möchten. Zum Abschluss der Versammlung wurden deshalb Ideen gesammelt, wie man im Kiez ein ‚Zeichen gegen Rechts‘ setzen könnte.

Obwohl klar gemacht wurde, dass er nicht willkommen sei, versuchte der Täter, sich der Versammlung immer wieder zu nähern, er konnte jedoch erfolgreich auf Abstand gehalten werden. Darüber, ob es seine Intention war, die versammelten Nachbar:innen einzuschüchtern, kann nur spekuliert werden.

Das ereignisreiche Wochenende hat gezeigt, dass die rechten Angriffe in Freiburg nicht ohne Konsequenzen bleiben und vergessen werden. Stattdessen regt sich nun in der ganzen Stadt Widerstand gegen die immer gewalttätiger werdenden Rechten.


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