Die Polizei hat in Berlin und Leipzig Wohnungen und ein Büro des Peng!-Kollektivs durchsucht. Ihr Vergehen: Die Erstellung einer Karte. Auf dieser Karte markierten die Aktivist:innen Denkmäler für Verbrecher der Kolonialzeit. 

Am Donnerstagmorgen betraten Einheiten der Polizei zwei Wohnungen und ein Büro des Peng!- Kollektivs. Es wurden Räume durchsucht und Computer sowie Ordner und Festplatten beschlagnahmt.

In Zusammenarbeit mit der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ (kurz ISD bzw. ISD-Bund e.V.) entstand eine deutschlandweite Karte, auf der digital Orte eingetragen wurden, die in einem Zusammenhang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands stehen.

Der Staatsanwaltschaft missfiel eine Textstelle auf dieser Internetseite, die sie als Anstiftung von Straftaten interpretiert:

„Wer wird da eigentlich wofür geehrt? Verbrecher für Verbrechen, das geht nicht! Kopf ab, runter vom Sockel, Farbe drauf, Schild drüber – die Möglichkeiten sind vielfältig. Aber markieren reicht nicht, wir suchen andere Formen. Vieles kann ein Denkmal sein und im Zweifelsfall macht es sich im Wasser treibend auch ganz gut.“

Doch bereits in einem nächsten Absatz wird darauf hingewiesen, dass die Geschichte des Kolonialismus nicht schlicht „entsorgt, sondern anders erzählt“ werden solle. Die Perspektiven der Opfer sollten eingenommen werden und es solle darauf geachtet werden, wer zur Gestaltung des öffentlichen Raums mitentscheide.

Angeblich sollen bereits sieben Sachbeschädigungen von Denkmälern in Berlin auf die Informationen der Internetseite zurückzuführen sein. Laut der Anwältin des Kollektivs seien die Maßnahmen der Ermittlungsbehörden in Anbetracht des geringen Tatvorwurfs jedoch völlig überzogen. Sie vermutet ein politisches Interesse, um mehr über das Kollektiv und seine Verbindungen zu erfahren. Eine betroffene Person äußerte sich dahin gehend, dass der Staatsanwaltschaft mehr daran gelegen sei, Kolonialverbrechen zu decken, als die Kunst- und Meinungsfreiheit zu schützen.

Die Seite TearThisDown erhebt den Anspruch, viele Straßennamen und Orte zusammenzutragen, die Kolonialverbrechen oder -verbrecher in Straßennamen oder Denkmälern immer noch ehren. Neben Straßen finden sich dort auch Benennungen von öffentlichen Plätzen oder Haltestellen. Da bis heute die Erwähnung eines Namens im Stadtbild immer noch als Ehrung wahrgenommen werde, stellt das Kollektiv die Frage, an wen genau erinnert und wie gedacht wird. Vor allem würde über die kolonialen Straßennamen weiterhin die Perspektive der Täter eingenommen und damit Gewalt im öffentlichen Raum subtil und kontinuierlich fortgeführt.


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