Über 18.000 Kinder und Jugendliche, die nach Europa geflüchtet sind, haben die staatlichen Stellen aus den Augen verloren. Sie gelten als vermisst.

Laut dem Rechercheverband Lost in Europe sind diese Kinder und Jugendlichen aus Aufnahmeeinrichtungen und Heimen verschwunden, die normalerweise für deren Sicherheit verantwortlich sind.

Mitunter ist ihr Verschwinden dadurch zu erklären, dass sie keinem Verbrechen zum Opfer gefallen sind, sondern ihre Einrichtungen freiwillig verlassen haben. Ob in diesem Zusammenhang –  bei zum Teil katastrophalen Zuständen in den Erstaufnahmeeinrichtungen – von Freiwilligkeit gesprochen werden kann, ist diskutabel. Trotzdem kommt es vor, dass ihrem Verschwinden nicht sorgfältig genug nachgegangen wird oder ihr Auftauchen andernorts nicht registriert wird.

Laut dem „Deutschen Kinderschutzbund“ sei das Problem bei einem nicht immer stattfindenden Abgleich mit ausländischen Behörden zu suchen, wenn Kinder und Jugendliche zum Beispiel zu Verwandten ins Ausland weiterflüchten. Mitunter können auch unterschiedliche Schreibweisen des Vor- und Nachnamens zu Problemen führen.

Opfer von Gewalt

Trotzdem ist die Dunkelziffer derjenigen extrem hoch, die zu Prostitution gezwungen werden, abtauchen oder in großen Ballungsgebieten als Drogenverkäufer missbraucht werden. Deutsche Behörden versuchen, diesem Problem mit sogenannten Amtsvormunden oder Einzelvormundschaften zu begegnen. Da die Jugendlichen diese Art der „Jugendhilfe“ oft nicht kennen, begegnen sie dieser vermeintlichen Unterstützung zunächst mit Skepsis oder Ablehnung. Sie verbinden sie auch oft mit Überwachung, Repression und Polizei.

Viele Vermissten wird vermutlich vor allem deshalb nicht intensiv genug nachgegangen, weil es sich „nur“ um Geflüchtete handelt. Das Interesse der Öffentlichkeit, sie wiederzufinden, wäre bei Kindern aus einem deutschen Haushalt wahrscheinlich wesentlich höher.


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