Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat eine Trikot-Werbung von Tennis Borussia Berlin für einen Hilfsfonds für Betroffene faschistischer Gewalt untersagt. Fans beklagen zu Recht, dass sich der Verband damit zum „Steigbügelhalter für rechte Ideologien“ mache. – Ein Kommentar von Michelle Mirabal

„CURA“ ist der Opferfonds der „Amadeu Antonio Stiftung“, mit dem Betroffene faschistischer Gewalt unterstützt werden, und für genau diesen wollte das Team von Tennis Borussia Berlin Werbung auf ihren Trikots machen. Die Begründung, weshalb Tennis Borussia sie nicht tragen darf, ist haarsträubend: Der NOFV begründet das Verbot mit dem Neutralitätsgebot im Fußball und sagt weiter: „Zudem haben wir Sorge, dass sich eine bestimmte Gruppe von Personen durch die Werbung provoziert fühlen könnte“.

Menschen, die sich durch Werbung für einen Hilfsfonds gegen rechte Gewalt provoziert fühlen, haben im Fußball nichts zu suchen. Damit macht der NOFV die Bühne frei für genau die Ideologien und Gewalt, gegen die man kämpfen möchte, und öffnen den Rechten Tür und Tor im Fußballverband.

Gleichzeitig sagt der NOFV: „Wir, der NOFV, stehen für Vielfalt und Toleranz…“. Dass das aber nur Fassade ist, zeigt das Verbot deutlich. Tennis Borussia wollte schon beim Heimspiel gegen Union Fürstenwalde die Trikots mit CURA-Werbung tragen, durfte allerdings nur beim Aufwärmen T-Shirts mit den Namen von Opfern rechter Gewalt tragen. Auch die Fans von Tennis Borussia kritisieren das Verbot in einer Erklärung entsprechend scharf.

Kapitalistischer Fußball kennt keinen „moralischen Kompass“!

Es ist aber nicht das erste Mal, dass der kapitalistische Profi-Fußball sein Gesicht zeigt. In Katar, wo die WM 2022 stattfinden soll, wird seit der Vergabe der WM 2010 viel gebaut. Fußballstadien, aber auch viel Infrastruktur wie Hotels, Flughäfen etc.. Bei diesen Arbeiten starben seit 2010 bereits mehr 6.500 Gastarbeiter:innen. Solange das Geld fließt, ist das den Organisationen wie FIFA, DFB und Co. jedoch egal. Die Hauptsache ist, dass die Zahlen stimmen, und dafür nimmt man eben auch den Tod von Menschen in Kauf oder toleriert rechte Ideologien und Gewalt im Stadion.

Viele Fußballfans setzten sich gegen diesen kapitalistischen Fußball zur Wehr, sei es durch das konsequente Vorgehen gegen Faschist:innen im Stadion, Kampagnen gegen die Kommerzialisierung oder durch den Kampf gegen das neue Versammlungsgesetz. Hierfür werden sie aber auch oft kriminalisiert und so gut wie immer in ein schlechtes Licht gestellt – sonst würden sich mehr Menschen auf ihre Seite stellen und der kommerzielle Profifußball hätte es nicht mehr so leicht.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.