Seit Mittwochmorgen streiken die Angestellten der Deutschen Bahn nicht nur im Güterverkehr, sondern auch im Personenverkehr. Wir haben einen der Streikposten der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL) besucht und dort mit einem der streikenden Arbeiter folgendes Interview geführt:

Erzähl uns doch bitte mal wieso du heute hier bist und was hier passiert.

Ich bin heute hier, weil ich mit den Arbeitsumständen in unseren Zügen, mit den Schichtplänen, die wir haben und wegen der geringen Wertschätzung meines Arbeitgebers mehr als unzufrieden bin. Ich bin seit Anfang 2000 im Unternehmen als Bord-Gastronom angestellt und die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich immer weiter.

Was sind deine bzw. eure konkreten Forderungen?

Meine konkrete Forderung ist, dass das Geld, was in dem Unternehmen steckt, auch wieder in die Züge investiert wird. Man bedenke, dass mittlerweile Minimum 30% der Küchen, mit denen ich unterwegs bin, kaputt sind, ausgefallene Kühlungen vorweisen und es somit kein Essen gibt und wir viele defekte Geräte haben. Ich kann meine Arbeit nicht mehr so ausführen, wie das vor 10-15 Jahren der Fall gewesen ist. Die Zustände werden über die Jahre immer extremer und das trägt auch dazu bei, dass wir unter immer höherer Arbeitsbelastung stehen.

Die Chefetage der Deutschen Bahn ist nicht begeistert von dem Streik. Die Berichterstattung ist weitestgehend negativ. Was würdest du darauf antworten?

Also ich bin auch nicht begeistert von der Chefetage, denn ich glaube, dass die Führung sich sehr von ihren Angestellten distanziert hat. Ich nenne da mal das Beispiel, dass wir vor einigen Jahren eine Hochwasserkatastrophe Richtung Berlin hatten und wir sind über Wochen Schichten gefahren, von bis zu 15 Stunden am Tag und haben als Dankeschön ein Kästchen Pralinen bekommen. Das ist keine Wertschätzung, das ist Missachtung des Personals. Das steht einfach in keiner Relation, denn hier fehlt es gravierend an Empathie für die Mitarbeiter:innen und an Wertschätzung.

Was möchtest du den vom Streik betroffenen Pendler:innen und allgemein allen Menschen sagen?

Also bedanken können sich unsere Pendler:innen beim Konzernvorstand. Ich denke, dass Arbeitskampf oder Streik das letzte Mittel ist, was Arbeiter:innen heute haben und das auch verantwortungsvoll nutzen sollen, aber auch dürfen! Es tut mir leid für alle Pendler:innen und Urlaubsreisende, die unter der Situation leiden. Definitiv, weil ich mich auch in diese Position hinein versetzen kann. Ich fahre ja auch privat manchmal Bahn, aber es ist nun mal das letzte Mittel, dass wir uns wehren gegen Zustände und Umstände, die Reisende in der Regel so gar nicht mitbekommen und was medial oftmals auch gar nicht so dargestellt wird, wie es die Realität einfach hergeben würde.

Möchtest du zum Anschluss des Interviews noch etwas hinzufügen?

Ja, danke, dass ihr hier seid und unseren Streik unterstützt!